Mit ‘The Rumour Said Fire’ getaggte Artikel

The New Spring: “The New Spring” (Tamborhinoceros), VÖ: 28.03.2011 The New Spring - The New Spring

Der Vorsänger von Shout Wellington Air Force, Bastian Kallesøe, veröffentlicht ein gelungenes Soloalbum. Leicht und ohne große Experimente tanzt „The New Spring“ in den Frühling.

Das noch junge Label Tambourinoceros hat in der letzten Zeit einige Hits abgeliefert und exzellente Künstler herrausgegeben. Ob Thulebasen, Kirsten & Marie, Treefight For Sunlight oder auch 4 Guys From The Future – bisher war Tambourinoceros ein Garant für Qualität (Die überschätzten IceAge möchte ich hier etwas beiseite schieben). Alle Künstler haben bisher ausgezeichnete Kritiken erhalten und das wird wohl auch Bastian Kallesø unter seinem alias The New Spring.

Man kennt Kallesøe als den Vorsänger und Gitarristen von Shout Wellington Air Force, die vor gut einem Jahr mit „Clean Sunset“ debütierten. Mit „The New Spring“ versucht er, unnötigen Ballast abzuwerfen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: eine Gitarre und eine gute Melodie. Viel mehr braucht er nicht, um uns in Frühlingsstimmung zu bringen. Trotzdem ist im Hintergrund auch genügend Platz für das Rauschen eines Baches, Vögel in den Bäumen und den Chorgesang von den Rumour Said Fire-Jungs Søren Lilholt und Jesper Lidang und alle die schönen Worte über Blumen und Kaninchen und sonnenüberfluteten Wiesen und Hundewelpen und der Schnee schmilzt und eine neue Liebe beginnt: „Ich wollte in den letzten Jahren gerne Liebeslieder schreiben, wo der Ausgangspunkt nicht der Bruch sondern der Beginn ist“, erzählt Kallesøe.

Doch auch Schattenseiten werden beleuchtet: „And we remembered everything: / The morning when the war came / Fences all torn up” (Ceremony). Doch führt letzten Endes alles zu dem einen essentiellen Lebensziel, das unsere Welt zusammenhält und uns durch den Winter rettet: „Despite the terrors they fell in love” (A Fox In The Snow). Dass das Ganze ab und an auch tanzbar ist, zeigt Kallesøe im Video zur ersten Single The Glow. Dass er die Dancemoves wohl von Michael Stipe geklaut hat? Geschenkt.

„The New Spring“ ist keinen Meter innovativ; schafft nichts Neues, wie es der Frühling eigentlich machen sollte. Die Melodien scheinen, als hätte man sie schon vorher irgendwo gehört, setzten sich allerdings auch nicht wirklich fest. Doch egal, es wird wärmer und heller und diese Platte ist vielleicht nicht die große Liebe, aber doch mehr als nur ein kurzer Flirt oder eine Fußnote des Frühlings.

Eigentlich schon traurig. Da bekommt ne Band dann ihr erstes Musikvideo und was rauskommt, sieht so aus:

Sollte irgendeine Idee hinter diesem Video stehen, dann begreife ich sie beim allerbesten Willen nicht. Und es muss je gar nicht immer eine Story sein, aber irgendeine Idee. Nicht einfach nur n Typ von der Band, der die Augen geschlossen hat, anscheinend davon träumt, Fahrrad zu fahren, hinzufallen um dann weiterzufahren, durch n Wald mit Lichtern. Dann ist er irgendwann wieder bei der Band. Die guckt skeptisch auf ihn. Hat sie auch zu Anfang gemacht. DAS IST KEINE IDEE!

Oder wenigstens ästhetisch irgendwie ansprechend. Dabei hat der Videomann Rasmus Bro auch schon besseres abgeliefert – Zwar auch nur Zeitrafferaufnahmen von Kopenhagen, aber immerhin irgendwie nett:

Nett, oder? Aber ganz ehrlich: Das Video zu Passion ist keine Idee! MTV würde sich im Grabe umdrehen.

Dass Rock tot sein soll, wurde die letzte Woche ja ausgiebig in der englischen Presse behauptet. Nicht tot ist auf jeden fall dieser Blog. Aufgewacht aus dem Winterschlaf ist es an der Zeit, auf das Jahr 2010 zurückzublicken. Nachdem die gesamte Welt ja schon ihre Top 10 für 2010 veröffentlicht hat, soll meine natürlich nicht fehlen.

10. Teitur: Let The Dog Drive Home (Playground Music/Arlo And Betty), VÖ 4.10.2010

Unser liebster Färinger hat dieses Jahr seine fünfte reguläre Platte veröffentlicht und fernab von der Experimentierfreudigkeit von „The Singer“ widmet er sich jetzt ganz und gar den poppigen Melodien. Das muss nicht unbedingt schlecht sein und hat es ja auch auf den 10. Platz geschafft. Mit Texten immer zwischen Poesie und Banalitäten hat er es mir aber besonders mit All I Remember from Last Night und Never Leave LA aber angetan. Freight Train und das dazugehörende Video sagt wohl – im Guten wie im Schlechten – alles Nötige.

9. Figurines: Figurines (Playground Music/Morningside Records), VÖ: 27.09.2010

Während „Skeleton“ von 2005 wohl eine der besten dänischen Platten des Jahrzehnts war, schafft „Figuriens“ es immerhin in die Jahresliste. The Great Unknown ist Surfgitarre und Handclaps, New Colours erstaunlicher Pop mit leckeren Vokalharmonien. Das Radio dudelt den Opener Hanging From Above rauf und runter und da will ich dann mal – es war ja grad noch Weihnachten – gar nicht böse mit den Formatradios sein, sondern mitdudeln:

8. The Rumour Said Fire: The Arrogant (A:larm), VÖ: 18.10.2010

Hmmm, ein achter Platz… Nach der großen EP vom letzten Jahr hat The Balcony schon jetzt Klassikerstatus inne und in ein, zwei Generationen könnte es wie bei so vielen Songs aus den ´60ern und ´70ern vielleicht nicht mehr klar sein, wer eigentlich das Original geschrieben hat.
The Arrogant ist nett. Sentimental Falling gut, Sanctuary wirklich gut; aber wären da nicht die Lyrics von Jesper Lidang – die sich immer mit Extremsituationen beschäftigen – würde das alles wahrscheinlich wie ein Kartenhaus zusammenfallen: „And I heard request so I opend his chest with my bare hands / And I wore his broken body […] for ten years and twenty-seven days I wore his face and my heart went black“ (The Arrogant)

7. Chimes & Bells: Chimes & Bells (A:larm Music/Tigerspring), VÖ: 4.10.2010

Genau wie Rumour schafft die Band um Cæcilie Trier es nicht, die Erwartungen nach der EP vom Herbst 2009 100% zu erfüllen. Trotzdem ist ein rundum gutes Debüt gelungen, das sich stundenlang auf meinen Plattenteller gedreht hat. Live sind sie leider Nebelgroßverbraucher, wofür ich überhaupt keinen Grund finden kann, weil die Musik für sich selbst sprechen sollte.

6. The Tiny: Gravety & Garce (The Tiny Music/DetErMine Records), VÖ: 22.02.2010

Auf leisen Sohlen schleicht sich die Schweden von The Tiny als einzige Band, die nicht aus Dänemark kommt, in meine Top 10. Leicht, Fragil, sterbensschön und auf Last Weekend ein Cello, das mit Sängerin Ellekari Larsson um die Wette weint.

5. One-Eyed Mule: Drifting To A Happy Place (Artiscope), VÖ: 15.03.2010

Rasmus Dalls Maulesel hat mit dem dritten Longplayer die Wüste und ihren Rock verlassen und grast jetzt auf den fruchtbaren Wiesen und summt eine Art glücklichen Blues. Besonders der naive Titelsong und das schöne September Sigh („I’m told you’ll always keep me warm“) haben es mir angetan. Den Durchbruch haben One-Eyed Mule noch immer nicht geschafft und werden es wohl auch nicht mehr. Diese, wie auch die letzten beiden Platten, möchte ich aber jedem ans Herz legen.

4. Il Tempo Gigante: Lost Something Good (A:larm/Speed Of Sound), VÖ: 14.06.2010

Was soll ich noch über Rolf Hansen, den ich dieses Jahr wohl 7-8 Mal gesehen habe (auch schon zwei Mal an einem Abend), noch sagen? Ich würde ihn endlich gerne mal wieder mit einer kompletten Band sehen – das wünsche ich mir für 2011. Und ich kann es einfach nicht glauben, wie wenig sein Label aus dieser Veröffentlichung gemacht hat; es gab noch nicht einmal ein Releasekonzert. Shame on you! Und das gleiche geht raus an Rasmus Junge von Soundvenue, der Gewichtigkeit nicht mal erkennen würde, wenn sie ihm auf den Kopf fällt. Dieses Debüt hat das, was ihr so gerne als „internationale klasse“ bezeichnet.

3. Efterklang: Magic Chairs (A:larm Music/Rumraket), VÖ: 22.02.2010

Moderner geht Popmusik nicht. Unmittelbarer als die beiden Vorgänger „Tripper“ und „Parades“ und auch leichter zu verdauen, aber immer noch so verspielt, dass es eine Freude ist.

2. Treefight for Sunlight: A Collection Of Vibrations For Your Skull (Tambourhinoceros/Playground Music), VÖ: 14.10.2010

Im Herbst kamen die Treefighter wie aus dem Nichts und debütierten mit dieser etwas verspäteten Sommerplatte. The Universe is a Woman und Facing the Sun sind klar die besten Lieder und dann sind da ja noch What Became Of You And I und You And The New World und Time Stretcher. Es ist nicht mehr viel Luft nach oben und ich bin schon jetzt gespannt, wie sie A Collection noch toppen wollen. Ein Vertrag mit Bella Union, sichert jetzt erst einmal, dass die Platte in Europa, Asien und Australien erscheinen wird. Eine große dänische Band ist geboren und diesem Herbst und als sie als Vorgruppe mit Rumour tourten, haben sie diese mit Leichtigkeit in Grund und Boden gespielt.

1. Murder: Gospel of Man (Good Tape Records), VO: 11.10.2010

„I’m a picker of cotton / I am what’s left of the youth / I’m a lone soul forgotten / I am in search of the truth […] still just a singer of nonsense” (Picker of Cotton). So ganz glaube ich Jacob Bellens nicht, wenn er in Interviews sagt, er würde sich nicht viel um seine Texte kümmern. Eine tödliche Sonne scheint auf die postapokalyptische Welt von Murder. Die Schatten spenden keine Abkühlung. Seelen werden geerntet, kämpfe um die letzten Ressourcen ausgetragen, doch alle unsere Anstrengungen werden nicht vergebens gewesen sein, wenn wir uns an die Gesichter und wichtiger die Geschichten der Vergangenheit erinnern werden, wenn wir wissen, wie es zur Katastrophe kam, denn „These are days to remember / Seen with wide open eyes / Gently floating in formaldehyde […] Right as rain in the morning / Right as towers of song / Right as everything we thought was wrong“ (Aqueduct), „Help the dead / They´re cold in the ground / As their clothes start to wither […] Tell the dead / Not everything ends / With the ultimate breath“ (Help The Dead)

Lasst uns diese Lieder in den Kirchen singen! Dieses Album ist der Grund, weswegen ich Musik liebe und über Musik schreibe.

PS: Um mich doch noch an der zu oberst genannten Debatte zu beteiligen, gibts noch mal Lärm vom Roskilde Festival 2008:

Heute sind es nur noch 45 Tage, bis der Startschuss für das 30. Festival in Roskilde fällt, aber noch 49, bis die Musik losgeht. Was macht man also, um die vier Tage zu überbrücken? Man verbringt die Zeit im Pavilion Junior und kann danach schon fast getrost seine Sachen packen und den Heimweg antreten.

Es war einmal auf Camping Vest: Eine Handvoll upcomming Bands wie Nephew (Pfui!) oder Baby Woodrose (Hui!), ein zur Seite hin offener Trailer und eine Soundanlage, die sehr viel mieser war, als all die Boomboxes, die seit einigen Jahren zu jeder Tages- und Nachtzeit von den Draufies über die Campingplätze des Roskilde Festivals gerollt werden; doch dieser unpolierte Sound war 2001 auch Grund dafür, dass Saybia ein fantastisches, fast magisches Konzert spielte – nur einige Monate bevor sie mit ihrem viel zu süßen und glattgeleckten Popbonbons und der Platte „The Second You Sleep“ debütierten.

Heute stehen 2.000 Menschen auf 1.134 m² im Pavilion, der in den Tagen vor dem eigentlichen Beginn des Festivals seine Pforten (Was hat ein Zelt?) unter dem Namen Pavilion Junior öffnet, um die Zukunft der skandinavischen Indiemusik zu sehen; und nicht wenige erinnern sich an große Konzerte von CODY, Men Among Animals oder Erwin Thomas.

Es ist an der Zeit, mal auf das Line-up 2010 zu schauen und die Bands vorzustellen, für die der Pavilion Junior der Startschuss einer großen Karriere sein könnte.

Cæcilie Trier

Cæcilie Trier, Cellistin von Choir of Young Believers, weiß, wie es ist, vor 2.000 Menschen zu spielen, nachdem sie hier bereits 2008 mit dem damaligen Projekt Le Fiasko groß aufspielte. Heute kommt sie mit ihrer Band Chimes & Bells und endlich rückt ihre großartige Stimme, die man schon von Fiasko und Choir kennt, in den Vordergrund einer dunklen aber verträumten Popfläche mit kreischenden Gitarren und bedrohlichem Elektrogeknister im Hintergrund. Die erste EP „Into Pieces Of Wood“ erschien bereits im Februar 2009. Das Konzert ist ein absolutes Must dieses Jahr, You Shall Not Pass!

Das gleiche gilt für die finnischen Indiepopgaukler Rubik, die – gerade ihre zweite Platte veröffentlicht – etwas an die wunderbaren Attrap erinnern, die 2009 nur kurz durch den dänischen Sommer tanzten.

Die Plattendebütanten von Kråkesølv imponieren mit melancholischen Uptemponummern auf Norwegisch und wenn man eine Band auf gar keinen Fall vergessen darf, dann ist es Sleep Party People (DK); Brian Batz´ Einmannprojekt hat im Januar einer wundervolle, mystische und doch kristallklare Platte veröffentlicht, ungeheuerlich und unheimlich.

Wem das jetzt alles zu ruhig wird, der sollte um seinen Platz im Moshpit kämpfen, wenn die Hardcorepunker von Night Fever (DK) den Pavilion zum Beben bringen werden und Vorsänger Salomon wütend seine desperaten Vocals ausrotzt, oder Iceage (DK), gerade der Minderjährigkeit entwachsen und wohl die toughesten Punkkidz dieses Landes, dem skandinavischem Publikum mit ihrer Californiaattitüde einheizen. Straight outta K-Town!

Nach all dem Gepoge ist es vielleicht angebracht, seine Sneaker nach Schäden abzuchecken. Das geht zu der psychedelischen Shogazerband JOENSUU 1685 (FIN) oder Kandy Kolored Tangerine (DK), deren Single Baby Love es auf die Rotationslisten der dänischen Formatradios geschafft hat.

Die Jungs von The Rumour Said Fire, die letztes Jahr den Radiotalentpreis gewonnen haben, überspringen den Pavilion Junior und wurden – trotz nur eines EP-Releases – gleich als einer der Hauptacts gesignt; aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Pavilion Junior ist ein Festival vor dem Festival und hier hat man eine der besten Chancen zu sehen, wo die alternative Musik aus Skandinavien sich zurzeit hinbewegt.

The Rumour Said Fire, Jazz House, 5.5.2010

Heute gaben The Rumour Said Fire ihr zweites von drei ausverkauften Konzerten im Jazz House. Da ich verhindert bin, hat sich Thorben selbstlos bereit erklärt, dort hinzugehen und einen Gastbeitrag zu schreiben.

Mittwochabend. Der Abschluss einer komplizierten, arbeitsintensiven Arbeit für die Uni liegt in greifbarer Nähe. Noch schnell runter in die Küche und einen Kaffee machen. Instantkaffe muss reichen. Das Wasser ist kurz vorm Kochen, da höre ich einen jämmerlichen, herzzerreißenden Schrei. Was mag das sein? Es kommt aus dem Fernsehzimmer. Ich lasse alles stehen und liegen und stürze herein – auf das schlimmste gefasst. Da liegt Christoph mit schmerzverzerrtem Gesicht sich windend auf dem Sofa. Die eine Hand in deinen Rücken gestemmt, die andere umklammert sein Telefon. Er ächzt und stöhnt. Nur zwischendurch sind ein paar Worte zu verstehen: „Rücken!“ „Konzert“ „Schmerzen“, „Rücken“ „Konzert“ „Mein Blog“. Ich versuche ihn zu beruhigen.

Nach einer Weile gelingt es mir, herauszufinden was los ist. Er hat Hexenschuss – kann passieren, man ist ja keine 21 mehr. Und nach dem 25. Lebensjahr soll‘s ja bergab gehen, da kommt auch ein JCH nicht drum herum. Aber was ihm noch mehr zu schaffen macht: Heute Abend ist ein Konzert von der Band, die er eigenohrig entdeckt hat. Nachdem sie groß geworden sind, haben sie ihn links liegen gelassen. So ist die Jugend von heute, egoistisch und undankbar. Aber Christoph lebt für die Musik, er war trotz alledem auf fast allen ihren Konzerten. Auch wenn er ab und zu sogar für die Karten bezahlen musste. Hier geht’s um die Musik und für sie gibt Christoph alles.

Dass darüber hinaus noch „drei sexy Frauen“[Zitat JCH], die er niemals zuvor getroffen hat, vor dem Eingang auf ihn warten, erwähnt er nur nebenbei und das interessiert Christoph auch gar nicht, für ihn geht’s nur um die Musik. Er fleht mich an, für ihn dahin zu gehen, für einen Eintrag in sein Blog, für seine Fans. In einer halben Stunde geht’s los.

Was kann man in so einer Situation tun? Für mich steht fest: In dieser schweren Stunde muss ich Christoph beistehen. Also vervollständige ich meine Arbeit in Rekordtempo (wahrscheinlich hat mich das den ein oder anderen Punkt gekostet, aber was soll’s?) und mach mich auf zum Konzert, auf zum Jazz House, auf zu The Rumour Said Fire.

Vor dem Eingang warten tatsächlich drei nette Mädchen. Sexy? Nicht unbedingt aber eine Eintrittskarte haben sie für mich. Aber sie wirken ein wenig enttäuscht. Man sieht ihnen deutlich an, dass sie jemand anderes erwartet haben – Christoph. Sie nehmen mich trotzdem mit rein.

Drinnen steht die Vorband schon auf der Bühne. Auf den Weg nach unten, bevor wir durch die Glastür in den Konzertsal kommen, kommt uns jemand entgegen und flüstert uns zu, dass wir leise sein sollen. Beim eintreten hört man weshalb. „Meget skrøbelig musik” [Anm. d. Red.: „sehr zerbrechliche Musik“] wie Ditte, eine meiner Begleiterinnen, es sehr passend formuliert.

Auf der Bühne stehen zwei Mädchen im besten dänischen efterskole-look [Anm. d. Red.: Hippieschule nach dem Gymnasium, wo man nicht viel lernt, außer für das Leben]: zotteliges Haar, ein wenig schüchtern, barfuß und natürlich mit akustischer Gitarre. Das Publikum ganz leise; die Hälfte sitzt vor der Bühne auf dem Boden, einige dahinter an den wenigen Tischen, ganz hinten Richtung Bar stehen die Restlichen. Viele stilsicher in der neuesten Emo-Mode mit achtziger Frisur a la Vanilla Ice mit zotteligen Locken…

Vanilla Ice: Der erste Emo?

Unterdessen stimmten Kirsten und Marie – die beiden Mädchen auf der Bühne – ihren My Dear an. Als ich sie „How much I love you“ singen höre, war mir dann auch klar, dass auch sie auf Christophs Ankunft gewartet haben. Nach diesem Lied gingen sie enttäuscht von der Bühne.

Nach einer relativ kurzen Pause kam dann der Hauptact des Abends auf die Bühne. Was die Leute, die davor saßen, allerdings auch nicht von ihren Plätzen riss. Der erste Song – tja Christoph, die Namen der Songs habe ich mir leider nicht notiert, ärgerlich – fing ganz gut an. Gute Mischung aus ein bisschen wilderem Rock und dem mehr melodischen Stil, für den sie bekannt sind. Eine positive Überraschung, da ich mich mehr auf die ruhigen Nummern eingestellt habe. Die nächsten drei Lieder waren dann aber nicht mehr so überzeugend. Auch mehr der härtere Stil, allerdings weniger melodisch und die Gitarren und besonders das Schlagzeug zu laut (dem Drummer hat der Stil aber sichtlich am besten gefallen). Da ging Jespers Stimme unter und die Songs klangen ein wenig eintönig. Gute Gelegenheit, Platz für das nächste Bier zu machen.

Als ich zurück kam, hörte gerade der vorerst letzte Song dieser Stilrichtung auf und The Balcony wurde angestimmt, was die Zuschauer hörbar erfreute. Was die Bodensitzer allerdings immer noch nicht von ihren Sitzplätzen riss. Passend für die Vorband, für eine Band allerdings, die nicht nur Balladen spielt, vielleicht ein bisschen enttäuschend…

Mit den folgenden Nummern wurde wieder mehr auf Melodie und Gesang gesetzt, was von dem Großteil des Publikums begrüßt wurde. Abgeschlossen haben sie mit Dance. Als erste Zugabe gab‘s ein Solo von Jesper. Das hätte Christoph gefallen. Der letze Song war dann Evil Son. Ein guter Abschluss.

Insgesamt ein gutes Konzert. Aber du hast sie ja schon ein paar Mal gesehen, Christoph. Und nächstes Mal bist du wieder dabei.

Nach dem Konzert wollten die „drei Sexy Frauen“ mich noch mit zu sich nach Hause nehmen – Flaschendrehen. Aber ich konnte leider nicht. Christoph konnte ja in seinem Zustand nicht alleine gelassen werde. Außerdem konnte ich ihnen ansehen, dass sie lieber ihn mitgenommen hätten…

[Anm. d. Red.: Vielen lieben Danke für den Gastbeitrag, Thorben. Auch wenn Dein Stil sehr nach´90er klingt; sehr Pop, das. Dafür aber um Längen schneller als ich. Ich sag bescheid, wenn ich wieder "Rücken" habe.]


Die Blogger, die dieses Jahr „live“ vom Roskilde Festival berichten sollen, sind gefunden. Es handelt sich um die beiden Dänen Thor Martin Jensen (I Am The Internet) und Eva Laksø von Regnsky. Aus Norwegen bekommen sie weibliche Gesellschaft von Christine Talluhla Knudsen (cecekaa) und Else Solheim. Der skandinavische Block wird durch Felicia Alexandersson (firstup) aus Schweden verstärkt. Den embedded Korrespondent für Übersee gibt Mary Chang aus Washington DC von practisetrouble, dem für mich schwächsten der sechs regulären Blogs.

Desweiteren wird es Gastbeiträge und einen Blog von The Rumour Said Fire geben.

Komplettiert wird diese illustre Runde von Alexander Kolby, der als einer der aktivsten Nutzer des Festivalforums gilt.

Besonders Thor Martin Jensens erster Beitrag, eine schöner, leckerer Kuchen über das, was er Backstage erwartet, hat es mir angetan und ich kann ihm da aus eigener Erfahrung nur zustimmen.

Erste Beiträge gibt es auf Blog The Feeling zu lesen.

Ich selber habe eine Absage vom Roskilde Radio bekommen, das jedes Jahr von den fünf dänischen Studentenradios betrieben wird. Auch wenn die Begründung der Absage, dass Hauptaugenmerk auf Erfahrung gelegt wurde, für mich nicht ganz nachvollziehbar ist (Ich mache seit über einem Jahr mindestens ein, manche Wochen sogar drei Interviews), gilt es wohl, das einfach zu akzeptieren. Dieses Jahr werde ich wohl als regulärer Festivalgänger erleben. Seis drum.

Fortsat god festival.