Mit ‘The Foreign Resort’ getaggte Artikel

The Foreign Resort – Take a Walk

Veröffentlicht: 02/02/2012 in audio/video
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Eigentlich poste ich neue Videoes ja auf der Facebookpage, aber vielleicht passiert ja etwas wenig auf dieser Seite, also linke ich im neuen Jahr auch hier. Den Anfang machen The Foreign Resort. Die EP wurde hier besprochen.

Blau, Schwarz, Regen

Veröffentlicht: 18/10/2011 in Plattenkritik
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The Foreign Resort: The Foreign Resort EP (Monolathe Records), VÖ: 03.10.2011 The Foreign Resort - EP - The Foreign Resort

Mit einer kurzen EP melden sich The Foreign Resort nach fast drei Jahren zurück. Und während sie hier in Dänemark noch immer nur einigen Shoegazern ein Begriff sein sollten, erobern sie die USA und den Rest von Europa.

„[…]eine gute Platte für lange, dunkle, verkaterte Autofahrten und für die Lichter der Stadt, für den viel zu frühen, kalten Morgen, für die Kopfhörer und die Isolation.“ Das habe ich damals zum Debut „Offshore“ geschrieben und die LP zusammen mit Attraps „Happitalism“ in meiner kleinen Welt zur dänischen Platte des Jahres ernannt. Doch auch das alte Klischee vom Propheten im eigenen Land habe ich bemüht und es sieht nicht so aus, als würde sich das mit der neuen EP, die auf dem kleinen texanischen Label Monolathe erscheint, ändern.

Auf die ersten beiden Tracks Colleen und Orange Glow, die von The Foreign Resort schon vor Monaten als Single rausgeschickt wurden und die beide straight und kompromisslos nach vorne gehen, folgt das nachdenklichere Heart Breaks Down. Melancholisch und herzzerreißend singt Mikkel B. Jakobsen immer wieder und wieder die gleichen Zeilen: „Heart aches / Heart breaks down / Heart aches / Heart breaks / Tumbeling down“ – einer der vielleicht besten Songs, die The Foreign Resort bisher geschrieben haben. Leider geht es mit Take A Walk wieder ganz tief in den Rockkeller, breitbeinige Belanglosigkeiten übers Feiern: „We never looked as pretty as we did tonight“; da kann man drüber singen, muss man aber wirklich nicht. Glücklicherweise kriegen sie mit dem über siebenminütigen Abschluss Torch It wieder die Kurve. Mit schwebenden Gitarren einem treibenden Bass und Schlagzeug sorgt das Quartett für einen weiteren Höhepunkt in ihrem Schaffen.

The Foreign Resort hat wieder einen Soundtrack für die Großstadtlandschaften geschaffen, Kopfhörer auf und raus, durch regennasse Straßen, mit der U-Bahn Stundenlang an das andere Ende der Stadt, durch die blauschwarze Welt im Untergrund. Am besten zu einem Konzert. Obwohl… in DK spielen sie leider allzu selten, treiben sich zurzeit wieder in New York rum. Vielleicht ist Kopenhagen und ist Dänemark einfach zu klein für die vier Dänen, die – wenn sie woanders herkommen würden – in diesem Land für ihren Sound irgendwo zwischen The Cure und Sonic Youth abgefeiert werden würden.

Ja, ja Prophet im eigenen Land und so. Hier haben wir auch nur zwei kurze Metrolinien.

5 Tage – 14 Bands. Das war der Plan.

Die Kopenhagener Konzertsaison wird hier auf Four Sheets gekickstartet und das gleich mit einem kleineren persönlichen Stadtfestival. 5 Tage, 4 Venues, 14 Bands und alle entweder gratis oder zu einem Spotpreis. Vielleicht habe ich mir etwas viel zugemutet, aber das weiß man ja auch immer erst später. Aus Erfahrung lernt man aber ja bekanntlich und deshalb gibt es jetzt diesen Erfahrungsbericht.

Mittwoch, 23.02.
The Enfant & The Quiet + Celinder + Never Gonna Be Like Sandra @ Huset i Magstræde. 30,- Kr

Jeden Mittwoch spielen drei upcomming Bands auf Huset für gerade mal 30,- Kronen. Das Publikum an diesen Abenden besteht hauptsächlich aus Freunden und Bekannten der Bands, die hier auftreten. So auch heute. The Enfant & The Quiet haben am 28. Januar ihre erste EP auf dem kleinen aber respektierten Lable GO’ Danish Folk Music veröffentlicht. „Diamond Eyes & Silver Sound“ ist eine stille, ruhige und melancholische Angelegenheit und so auch dieses Konzert. Sänger William Kudahl Sørensen leitet trotz seiner Jugend souverän durch das Set. Allerdings wirkt es ab und an etwas einschläfernd und auch der Drummer droht öfters, hinter dem Schlagzeug wegzunicken. Das alles ist zu hause auf dem Plattenteller doch etwas anderes. Nur zu dem älteren Nightmares And You, das „etwas wilder ist“ wachen er und das Publikum auf und auch das Cash-Cover Take This Hammer (das wohl eigentlich schon 100 Jahre auf dem Buckel hat) zeigt, dass dieses Jungs eine Zukunft haben könnten.

Wir sind gerade draußen und machen ein Interview mit Enfant, als Celinder die Bühne betreten. Die sind irgendwie funky und irgendwie ein bischen wie Sting und irgendwie auch nicht weiter erwähnenswert.

Never Gonna Be Like Sandra haben einen klasse Namen. Das ganze ist surfpoppig und ganz nett, ohne aber vom Hocker zu reißen. Trotzdem ist Seashore & Living Legends auf ihrer Myspace durchaus hörenswert und lustig – „noch ein Lied über Liebe“.

Donnerstag, 24.02.
Monkey Cup Dress + Death Valley Sleepers @ Idela Bar. Gratis Eintritt

Die beiden wunderbaren Mädchen von Monkey Cup Dress haben bereits ein beeindruckendes musikalisches CV und im Spätsommer soll dann endlich das Debüt auf einem kleinen spanischen Label erscheinen. Line Felding spielt Ukulele und – wie auch bei CODY – Cello, während Sidse Holte hauptsächlich Gitarre und dieses kleine Daumenklavier namens Kalimba spielt.

Zusammen schaffen sie einen minimalistischen – mal herzzerreißenden, mal -erwährmenden – Pop, ohne den ich nie wieder leben möchte. 45 Minuten lang verzaubern sie eine Location, die normalerweise von friday fashion show Teenagern bevölkert wird.

Death Vally Sleepers sind sechs Leute von denen vier aussehen, als wären sie die unehelichen Kinder von Boy George. Die Mucke klingt ein wenig wie die Smashing Pumpkins und das einzige, was ich interessant finde, ist das Gesicht des Drummers, das im Laufe eines Liedes das komplette menschliche Gefühlsregister zeigt. Ein netter zweiter Abend.

PS: CODY ist wohl bald mit neuem Material am Start.

Freitag, 25.02.
Leap Over Light + Slyngelstaten + Tetris=Therapy @ Huset i Magstræde. 30,- Kr

Catching Paper Planes ist eine relativ neue Managment- und Bookingagentur, die unter Anderem auch The Foreign Resort zu ihren Klienten zählen darf. Heute abend veranstalten sie zum ersten Mal Catching Paper Planes Presents!, das als Entwicklungshilfe für junge Band gedacht wird. Das Publikum bekommt anfangs Bewertungszettel für jede Band in die Hand gedrückt und eine Jury soll später (und intern) konstruktive Kritik geben. Einer von ihnen erzählt mir später, dass das Niveau seiner Meinung nach nicht besonders hoch war.

Die der Bands heute Abend sind aus über 70 Bewerbungen ausgewählt. Den Anfang machen Leap Over Light, die ihr erstes Konzert überhaupt spielen. Lennart Rasmussen ist ein verteufelt guter Gitarrist und streut im Gegensatz zu den Studioaufnahmen gezielt Soli ein. Julie Aagaard singt, spielt Piano und ist am Laptop für die Beats und Hintergrundgeräusche zuständig, wirkt damit nicht gerade überfordert, aber doch so konzentriert, dass sie nicht viel Zeit hat, sich zum Publikum zu verhalten. In Zukunft würden mehr Mitmusiker dem Duo gut zu Gesicht stehen; was wohl auch in Planung ist.

Slyngelstaten singen auf Dänisch, singen laut auf Dänisch, sehr laut. Sie haben ihren eigenen Tonmann mit und der hat bis zum Anschlag aufgedreht, dass es schwer auszuhalten ist. Sie sehen aus, als hätten sie Spaß wie auch die Menschen, die für lauten pathetischen Rock gemacht sind. Wir sind eher für gute Coctails nebenan im Cafe Katz gemacht und gehen kurz einen trinken.

Als wir wiederkommen spielen Tetris=Therapy. Das ist elektronischer Shoegaze und einzelne Elemente wirken beeindruckend, doch funktionieren sie nicht ganz im Zusammenspiel. Insgesamt ein sehr vergnüglicher Abend, werde die beiden zweiten Bands aber wohl nie wieder sehen.

Samstag, 26.02.
Alcoholic Faith Mission + Among Relatives + Deer Bear + Gustav Foss @ Lille Vega. 70,- Kr

Der vorletzte Tag meines kleinen Kopenhagen Festivals. Eigentlich hätte Einlass um 20 Uhr sein sollen; ich sehe dann aber – als ich um halb zehn vor der Tür steh – dass die Leute schon um 7 aufgemacht haben. So verpasse ich nicht nur Gustav Foss, was geplant war, sondern leider auch Deer Bear, von denen ich nur noch das letzte Lied sehe.

Lille Vega ist gut gefüllt. Wahrscheinlich weil die sehr freigiebig mit Karten um sich geschmissen haben. Selbst ich stehe hier +3 auf der Liste und ich kenne den Veranstalter 3rd Tsunami nur peripher. Um 21:45 kommen Among Relatives und Leute kreischen und es gibt die ganz großen Rockbewegungen: Faust in die Luft, breitbeiniges Gitarrengejaule, der Leadsänger heißt Jimmy. Irgendwann gibt’s das Prostspiel. Irgendwann gibt’s immer das Prostspiel.

Vor einem Jahr haben sie ihr Debüt „This Room“ rausgegeben, was mir wirklich etwas zu sehr in den ’90ern verwurzelt ist. Aber ein sehr gute, gehetzter Gesang.

Wenn mich nicht alles täuscht, haben Alcoholic Faith Mission drei reguläre Alben herausgegeben (aber irgendwelche Doppelalben aus Japan gibt’s wohl auch) und vor einigen Tagen gab es die von den Kritikkern gelobte EP „And The Running With Insanity“. Gerade wurden sie fürs texanische SXSW bestätigt und ab 22:30 zeigen sie auch warum, fangen an mit Escapism vom 2009-Werk „421 Wythe Avenue“: „I’m old enough to fall apart.“ Und wie recht sie haben und ihr Name ist Programm. Posaune, Chorgesang, Percussion und Elektrosamples. Der Höhepunkt dieser fünf Tage. Und ich merke, ich werde alt, als ich um zwölf Uhr durch die skandinavische Kälte nach Hause trotte.

Sonntag, 27.02.
Marie-Louise Munk + mOOnbird @ Kaffeebaren på Amager. Gratis Eintritt

Wie haben Alcoholic Faith Mission gestern zum Abschluss gesungen? Entweder „It’s over now“ oder „It’s time to sober up“, ich hab’s nicht ganz verstehen können. Einerlei, denn beides trifft zu an diesem fünften und letzten Tag. Das aarhusianische Musikmagazin Geiger findet, dass es nicht genug Konzerter auf Amager gibt und wollen das an jedem letzten Sonntag im Monat ändern. Zur ersten Ausgabe gibt es um 16 Uhr Marie-Louise Munck und m00nbird. Erstgenannte eröffnet den Nachmittag. Vor einem Jahr habe ich in der Plattenreview zu „The Birds Fly Up“ gesagt, sie sein mal wie Beth Gibbons und dann eher wieder wie Dido. Heute ist sie nur Beth Gibbons, singt zerbrechlich und überirdisch. Besonders Rose Is My Name, das wohl auf eine neue Platte kommt, und All The Time In The World bringen die knapp 30 Leute dazu, ihren Gedanken nachzuhängen.

Und mOOnbird weckt sie dann alle wieder auf. Im Hintergrund gibt’s eine Videoperformance, Jonatan Bengta ist wie immer als Vogel mit Phantasieuniform verkleidet und hüpft und springt hinter seinem Keyboard und seinen Elektrodrums, singt und loopt sich selbst. Obwohl er Texte hat, klingen sie doch eher wie Geräusche, sind keine menschliche Stimme mehr. Alle klingt mal wie Regentanz, mal nach Urwald. Darauf dann doch noch 1 letztes Bier und müde nach Hause.

5 Tage, 14 Bands. Es war schön, aber jetzt reicht’s!

Gerade aus Barcelona wiedergekommen. Take a Holiday in Spain und weil es ja auf diesem skandinavischen Blog sonst nicht viele Chance gibt, diesen Song mal zu posten, kommt er hier:



In Barcelona gabs doch auch glatt ein Konzert der Hidden Cameras, an das ich mich aber, dank eines Spaniers, der mich, auf Deutsch krakeelend, mit einer Flasche Schnaps und einer Flasche Limo abgefüllt hat, nur noch bruchstückartig erinnern kann. Aber der Frühling in KBH gibt mir jetzt eine zweite Chance: Am 20/4 im Vega mit Men Among Animals als Vorgruppe. Deren neue Platte Run Ego werde ich hier wohl demnächst reviewen.

Außerdem wird Huset i Magstræde 40 Jahre alt. Am 16/4 spielen unter anderen

21.15 – 21.35: Mads Beldring
21.40 – 22.00: Rolf Hansen
22.05 – 22.25: Erwin Thomas
22.30 – 22.50: Maria Viskonti
22.50 – 23.10: Pause
23.15 – 23.45: Per Kristensen/Maria

Und vom 16/4-18/4 steht das Popfest im Råhuset an. Es wird ein großer April. Hoffe nur, ich habe genug Zeit, Geld und ausreichend Sonne im Herzen.

16/4 The Notwist – Vega

16/4-17/4 Huset wird 40! – Huset i Magstræde

16/4-18/4 Copenhagen Popfest – Råhuset

17/4 Efterklang – Vega

17/4 Shout Wellington Air Force – Din Nye Ven

18/4 Band of Horses – Vega

19/4 Emanuel and The Fear – Loppen

19/4 Noah and the Whale – Vega

20/4 Hidden Cameras (Support Men Among Animals) – Vega

21/4 The Foreign Resort – Huset i Magstræde

26/4 Grant-Lee Phillips – Vega

28/4 Club Shhhh: Betting on the Mouse und August and the Red Apples

30/4 August Rosenbaum-Releasefest mit Pinkunoizu – Råhuset

Und ein besonderer Dank geht raus an die Lufthansa, die mein Gepäck auf dem Hin- und das eines Reisebuddies sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg irgendwo zwischen Mailand und München vergessen hat.


The Foreign Resort + Artificial Brothers + Polar for the Masses (It), Lades Kælder, 29.01.10

Ein Schneesturm, eine traurige Zukunft und ein geflexter Daumen. The Foreign Resort spielen ein leider nur mittelmäßiges Konzert und man träumt von einem Ort in der Sonne mit Sandstrand und Palmen.

Lades ist an diesem Freitagabend nicht überwältigend voll. Minus 10 Grad und ein Schneesturm, der das Gesicht wie Schmirgelpapier behandelt, haben wohl viele Menschen abgeschreckt. Da verbringt man den Abend doch vielleicht lieber mit einem Bier und der Fernbedienung zu Hause. Aber The Foreign Resort headlinen heute nach ausgedehnten Konzerttourneen in den USA, Deutschland und Italien den Abend in Kopenhagen. Aus Italien haben sie ihre Lablekollegen, Polar for the Masses, mitgebracht. Die Dreimanncombo schrammelt und rumpelt vor sich hin und es fehlt ganz gewiss ein Haufen Melodie.  Nur ein Mädchen, wohl auch direkt aus Italien mitgebracht, tanzt bewundernswert hartnäckig vor der Bühne.

Massig Melodie haben aber die Artficial Brothers aus DK. Leider ist es nicht unbedingt die Art Melodie, die ich mir wünsche. Das „ambitiöse und charismatische Quintett […] spielt modernen, melodischen Poprock [und] die mystische und androgyne Frontfigur Mathias Bertelsen führt den Hörer mit seinen charakteristisch hellen Vocals in ein intensives Universum voller Melancholie und Gitarrenlärm.“ (PR)

Da weiß man ja gar nicht, wo man anfangen soll. Dass die Jungs „ambitiös“ und „charismatisch“ sind, mag ich noch unterschreiben, aber wie jetzt „moderner, melodischer Poprock“ irgendwie zu einer Charakterisierung beitragen sollte, weiß ich wirklich nicht; PR-Sprech halt. Und dass Berthelsen ein wenig wie Bowie aussieht, macht ihn auch nicht besonders „androgyn“ und ihm dann noch etwas „mystisches“ anzudichten… Der steht da auf der Bühne, n Teenager mit nem schwarz-rot-geringelten Strickpulli an.

„Intensiv“ sind sie, gehen heftig ab auf dem von 4 Keyboards getragenden Sound. Der Track Artificial Brothers ist live nicht schlecht, auf ihrer Debut-EP Only Quiet On The Outside aber leider unerträglich. Das alles klingt so oberflächlich und bombastisch, doch kauf ich den Jungs ihre Gefühle einfach nicht ab. Es ist so… künstlich, artificial halt.

Aber sie können ihren Kram. Das hört man. Im Frühling 09 kamen sie aus 900 Teilnehmern unter die 18 Finalisten des vom Radiosender P3 veranstalteten KarriereKanonen. Im Herbst wurden sie von P4 aus 500 Mitbewerbern zum Rockfund des Jahres gewählt. Da haben sie fünf Tage Studienzeit mit Saybias Frontmann Søren Huss gewonnen – mich graut es vor dem Resultat und tut mir doch bitte den Gefallen, nicht auf Saybias Page zu klikken.

2010 werden die Artificial Brothers durchstarten, überall rauf- und runtergedudelt werden. Bestimmt. Ich hab die Zukunft gesehen und bin nicht glücklich.

Aber ich bin hier wegen The Foreign Resort. Das Interview vor dem Konzert, geht aus Mangel eines Backstageraumes leider fast im Soundcheck der anderen Bands unter, doch einige Anekdoten bekamen wir ins Mikrophon. Ein Mädchen aus Hannover erzählte der Band via Myspace, über ihr „dunkles Leben und habe es sehr schwer, aber wenn ich nach Hause komme, dann lege ich eure Musik auf und das ganze wird hell und klar.“ Also mich könnte die Platte Offshore eher in eine mittelschwere Winterdepression stürzen, aber so hört wohl jeder Musik auf seine eigene Weise und so bewirkt sie wohl bei jedem etwas anderes. Es endete damit, dass das Mädchen die ersten Auslandsgigs für die vier Jungs aus Jütland buchte.

Sänger Mikkel B. Jakobsen (r.): „Ich stelle mir Foreign Resort als einen Ort vor, an dem man ankommt, und wo es dann in Strömen regnet."

Auf der Bühne beginnen The Foreign Resort um halb eins mit Opening Act. Der Sound ist miserabel. Die Vocals vor der Bühne kaum zu verstehen. Weiter hinten begräbt der Bass fast alles andere und es trägt nicht zur Klasse bei, dass Mikkel B. Jakobsen sich beim zweiten Song Buried den Daumen an den Gitarrenseiten auffetzt. Im Soundmatsch sind die einzelnden Lieder kaum auszumachen. Tapfer spielen sie ihr Set durch. 9 Lieder, davon wohl vier neue. Um zehn nach eins Schließen sie mit Orange Glow und ohne Zugaben ab.

Das war also das Konzert, auf das ich seid über einem halben Jahr gewartet habe. So leicht gebe ich aber nicht auf und freue mich auf den 21. April und ihren Gig im Huset; dann hoffentlich mit ordentlichem Support und vielleicht ist das Wetter in Kbh bis dahin auch wieder etwas angenehmer.




Interview mit The Foreign Resort auf Dänisch. Erstmals gesendet am 08.02.2010 auf XFM, Se Tschörmans. Geführt von Jan Hinnerk Petersen und Jan Christoph Hajek. Schnitt und Zusammenstellung Jan Hinnerk Petersen.

Die Überschrift stammt von Cody, die dieses Jahr allgegenwärtig waren. Obwohl es schon zu erahnen war, dass da etwas Großes heranwächst, war es doch nicht zu wissen, dass es so schnell gehen würde, als mir Kasper Kaae im Februar während eines Pete Molinari Konzerts seine EP mit den Worten „Ich hab da übrigens auch eine Band“ in die Hand drückte. Doch habe ich hier schon genügend über Cody berichtet und möchte mich heute dem dänischen Musikjahr 2009 fernab von X-Factor und dem Formatradio widmen. Willkommen zum ersten Jahresrückblick auf Four Sheets To The Wind in Copenhagen.

Kasper Kaae von Cody


Das beste Konzert einer dänischen Band, das ich dieses Jahr besucht habe (Das Roskilde Festival möchte ich an dieser Stelle etwas beiseite schieben), war ganz klar A Key Is A Key am 2.10 im Huset – wahrscheinlich auch, weil es eine Band war, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht auf dem Radar hatte. Ich hoffe, dass Michael und Nico demnächst ins Studio ziehen werden. Es wird spannend, ob sie ihren besonderen Sound auf Platte gepresst bekommen.

Das Konzert, das mich am meisten enttäuscht hat, war wohl leider Sinner/Sunrider am 29.10 im Rust – nachdem ich sie schon einige male live sehen wollte und immer verhindert war, kam zu einem miesen Sound und lustlos vorgetragenen Liedern noch die widerliche Atmosphäre im Rust hinzu, welches ich im neuen Jahr wohl weitreichend umgehen werde.

Für mich gibt es zwei Platten – die im Frühling veröffentlicht wurden und deshalb hier noch nicht aufgetaucht sind – die das Zeug zur Platte des Jahres hätten: Offshore von The Foreign Resort und Happitalism von Attrap. Wärend The Foreign Resort eher im Ausland für Furore sorgen, haben Attrap sich noch vor Veröffentlichung ihres Debuts aufgelöst. Beide Platten möchte ich hier noch mal besprechen.


Der Prophet im eigenen Land…
The Foreign Resort: Offshore (Flat Ape Musik/Smukstøj;), VÖ: 20.02.09

The Cure klopfen an die Tür des dunklen, hypnotischen Debuts der vier Dänen. Es erinnert an Joy Division und Sonic Youth, klingt aber trotzdem neu und frisch und ganz eigen.

Die Band um Mikkel Borbjerg Jakobsen existiert seit drei Jahren. Nach vielen Konzerten in Dänemark, Deutschland und zwei Konzerten in den USA veröffentlichten sie im Februar 2009 ihr Debut in Zusammenarbeit mit dem kleinen Plattenladen Smukstøj;, der ein Steinwurf entfernt von meiner Wohnung auf der Vesterbrogade liegt.

Offshore öffnet mit The Starlit Sea, einem 20 Sekunden langen Gitarrenfeedback, dann setzt ein trockener beat ein, der mich an The Clash erinnert, eine zweite Gitarre und der Bass: „I’m out here alone / feeling homesick / Please rescue me // cause I have been drifting around / Aimlessly on the starlit sea / Please reach out for me / I need solid ground under my feet“

Die Texte sind eskapistisch, handeln von der Flucht, davon, wo anders anzukommen: „A Paradise in my head / What is the illusion for? / Show me the way to the sunshine / Show me the way to the foreign resort“ (Into The Sunshine), hier sind die desperaten Vocals unterlegt mit einer monotone Keyboardfläche. In Toward The Dusk gibt es Bläser zu hören, doch das Subjekt der Texte verbleibt herbstlich depressiv: „Will I make it / Before the leaves struck to the ground? / And everything turns into sadness? /…/ I’ll be driving towards the dusk. “

Im Radio kommt The Foreign Resort nicht vor. Seit dem Debut haben sie nur vier Konzerte in Dänemark gespielt, dafür mehrere in Deutschland und eine größere Tour in den USA und jetzt im Januar steht eine Tour durch Italien an. Desweiteren wurde Offshore in Italien, USA und demnächst wohl in Deutschland veröffentlicht – was wenige dänische Bands von sich behaupten können. Doch der Prophet im eigenen Land scheint nicht gehört zu werden.

Im Frühling gehen The Foreign Resort wieder ins Studio, um einen Nachfolger aufzunehmen. Ab und an, denke ich, könnten die Jungs etwas melodiöser werden, abwechslungsreicher, da die neun Songs mit der Zeit doch arg monoton werden. Aber es ist eine gute Platte für lange, dunkle, verkaterte Autofahrten und für die Lichter der Stadt, für den viel zu frühen, kalten Morgen, für die Kopfhörer und die Isolation.

„I need silence / I need walls“ (Relax (It’s Only Love))

The Foreign Resort Myspace


I want to share this sonic explosion with you / And perhaps a bottle of wine
Attrap: Happitalim (Good Tape Records), VÖ: 27.04.2009

“Put your trust into the folksingers”, singen Attrap. Und das habe ich getan, während diese Band mit ihrem Debut den nassen dänischen Sommer in einen langen Sonnenscheintag verwandelten.

Es ist schwierig, die Essenz dieser Platte in einige wenige Sätze zu fassen. Es gibt viel zu wenige Worte, um ein so großes und reiches Universum zu beschreiben, ein Universum, das mit Boygirl beginnt, nicht Big, aber Bang: „You and I can stop the time”. Irgendwie sehr naiv und da kommen ihre Handclaps – Auf dieser Platte gibt es kein Schlagzeug – und das Lied endet da, wo alles vor millionen von Jahren begann: In einem Sumpf; hört euch nur die brünstigen Frösche an.

Und das Universum dehnt sich aus, wächst heran zu einer wunderschön melancholischen, verwachsenen Urwaldwelt. Wir sitzen zusammen mit diesen Indiefolkgauklern von Attrap rund ums Lagerfeuer am einsamen Strand des Urmeeres Tythes und feiern den „giggling, juggling citycircus”, während sie uns von den guten, alten Zeiten erzählen: „There was a drift in the early 19. Century in the summer I grow up /… / It was a hazy dream / The sound of apples in Subscandinavien gardens” (The Good Times). Ja, das waren sie, die guten Zeiten, oder etwa doch nicht?

Hin und wieder, wie zum Beispiel in Warsong, klingen die vier Dänen etwas zu sehr nach versnobten und verwöhnten Kindern der New Yorker Modelelite, aber „You have been dreaming of the USA for far too long now” (USA), während sie in Wirklichkeit doch nur von weißer Weihnachten in Skandinavien träumen.

Sie beschließen Happitalism Big, aber ohne Bang mit Blowaway: „If I open this window / please don’t blow away / … / No, I never ever dare anything anymore / if you blow away / If you let go with me”.

Es ist eine Schande, dass die Band sich noch vor Veröffentlichung ihres Debuts auflöste, doch haben sie inzwischen neue Bands gefunden. Während Frontmann Jonas Petersen unter dem Namen Hymns from Nineveh etwas zu christlich geratenen Folk spielt und gerade eine Weihnachts-EP auf Good Tape Records veröffentlicht hat (Debut folgt 2010), machen Gertrud Hjelm Kongshøj und Johan Ask Nielsen weiter in der Band With No Arms And Legs, die – leider noch ohne Plattenvertrag – das Attrap-Erbe verwaltet.

Attrap Myspace
With No Arms And Legs Myspace
Hymns from Nineveh Myspace


Wenn jetzt also meine dänischen Platten des Jahres bestimmt sind, könnte ein Ausblick auf das neue Jahr angebracht sein. Men Among Animlas werden wahrscheinlich im März den Nachfolger zu Bad Time, All Gone veröffentlichen, der Run Ego, Run heißen wird. Gespannt warte ich auch auf ein Lebenszeichen von Il Tempo Gigante und besonders Ebird, die der dänische Musiklandschaft einen gewaltigen Tritt verpassen könnten.

Andreas Stonor (3.v.l) ist nicht mehr dabei, doch warten wir auf ein Lebenszeichen: Ebird.

In der etablierten Welt strebt DR in Zusammenarbeit mit den dänischen Studentenradios die Etablierung eines neuen Radiokanals an, der die Zukunft der musikalischen Gegenkultur bestimmen könnte – Im Guten wie im Schlechten – Dazu mehr an dieser Stelle, sobald es aktuell wird.

Und zum Schluss noch etwas zu diesem Blog. Ich habe ihn im September 2009, motiviert durch Helle Gabler (vielen lieben Dank), ins Leben gerufen, um den Überblick zu behalten, über die Konzerte, die ich gesehen habe (Es waren dieses Jahr, exklusive Roskilde, wohl um die 60), und um etwas anderes als immer nur akademische Aufgaben zu schreiben. Inzwischen gibt es 5-6 Klicks pro Tag. Die meisten, nämlich 60, gab es am 27. Oktober. Vieleicht auch auf Grund dieses Artikels, nein, ganz bestimmt sogar, obwohl mein Kommentar auf der dazugehörigen Internetseite vorübergehend gelöscht wurde. Auch einige Bands verlinken meine Artikel – obwohl des Deutschen nicht wirklich mächtig – auf ihrer Facebookseite (Anders Thrane, Caspian & The Good Times), danke dafür.

Bleibt noch zu erwähnen, was Obama als Schlagwort brachte. Für kurze Zeit war Four Sheets To The Wind In Copenhagen mit dem Prädikat “exzellentes Blog” ausgestattet. Da freut man sich doch sehr. Nur weiß wohl leider niemand, was genau das heißt, oder wie man diese Auszeichnung erreicht. Aber was solls? Immerhin habe ich so gelernt, dass Blog wohl ein Neutrum ist und also „Das Blog“ heißt (Ich werde wohl weiterhin den maskulinen Artikel bevorzugen)!

Ich wünsche allen da draußen ein frohes neues Jahr und viel Spaß mit neuer Musik aus Dänemark und Skandinavien.

Jan Christoph Hajek