Heute sind es nur noch 45 Tage, bis der Startschuss für das 30. Festival in Roskilde fällt, aber noch 49, bis die Musik losgeht. Was macht man also, um die vier Tage zu überbrücken? Man verbringt die Zeit im Pavilion Junior und kann danach schon fast getrost seine Sachen packen und den Heimweg antreten.

Es war einmal auf Camping Vest: Eine Handvoll upcomming Bands wie Nephew (Pfui!) oder Baby Woodrose (Hui!), ein zur Seite hin offener Trailer und eine Soundanlage, die sehr viel mieser war, als all die Boomboxes, die seit einigen Jahren zu jeder Tages- und Nachtzeit von den Draufies über die Campingplätze des Roskilde Festivals gerollt werden; doch dieser unpolierte Sound war 2001 auch Grund dafür, dass Saybia ein fantastisches, fast magisches Konzert spielte – nur einige Monate bevor sie mit ihrem viel zu süßen und glattgeleckten Popbonbons und der Platte „The Second You Sleep“ debütierten.
Heute stehen 2.000 Menschen auf 1.134 m² im Pavilion, der in den Tagen vor dem eigentlichen Beginn des Festivals seine Pforten (Was hat ein Zelt?) unter dem Namen Pavilion Junior öffnet, um die Zukunft der skandinavischen Indiemusik zu sehen; und nicht wenige erinnern sich an große Konzerte von CODY, Men Among Animals oder Erwin Thomas.
Es ist an der Zeit, mal auf das Line-up 2010 zu schauen und die Bands vorzustellen, für die der Pavilion Junior der Startschuss einer großen Karriere sein könnte.

Cæcilie Trier
Cæcilie Trier, Cellistin von
Choir of Young Believers, weiß, wie es ist, vor 2.000 Menschen zu spielen, nachdem sie hier bereits 2008 mit dem damaligen Projekt
Le Fiasko groß aufspielte. Heute kommt sie mit ihrer Band
Chimes & Bells und endlich rückt ihre großartige Stimme, die man schon von Fiasko und Choir kennt, in den Vordergrund einer dunklen aber verträumten Popfläche mit kreischenden Gitarren und bedrohlichem Elektrogeknister im Hintergrund. Die erste EP „Into Pieces Of Wood“ erschien bereits im Februar 2009. Das Konzert ist ein absolutes Must dieses Jahr,
You Shall Not Pass!
Das gleiche gilt für die finnischen Indiepopgaukler Rubik, die – gerade ihre zweite Platte veröffentlicht – etwas an die wunderbaren Attrap erinnern, die 2009 nur kurz durch den dänischen Sommer tanzten.
Die Plattendebütanten von Kråkesølv imponieren mit melancholischen Uptemponummern auf Norwegisch und wenn man eine Band auf gar keinen Fall vergessen darf, dann ist es Sleep Party People (DK); Brian Batz´ Einmannprojekt hat im Januar einer wundervolle, mystische und doch kristallklare Platte veröffentlicht, ungeheuerlich und unheimlich.
Wem das jetzt alles zu ruhig wird, der sollte um seinen Platz im Moshpit kämpfen, wenn die Hardcorepunker von Night Fever (DK) den Pavilion zum Beben bringen werden und Vorsänger Salomon wütend seine desperaten Vocals ausrotzt, oder Iceage (DK), gerade der Minderjährigkeit entwachsen und wohl die toughesten Punkkidz dieses Landes, dem skandinavischem Publikum mit ihrer Californiaattitüde einheizen. Straight outta K-Town!
Nach all dem Gepoge ist es vielleicht angebracht, seine Sneaker nach Schäden abzuchecken. Das geht zu der psychedelischen Shogazerband JOENSUU 1685 (FIN) oder Kandy Kolored Tangerine (DK), deren Single Baby Love es auf die Rotationslisten der dänischen Formatradios geschafft hat.
Die Jungs von The Rumour Said Fire, die letztes Jahr den Radiotalentpreis gewonnen haben, überspringen den Pavilion Junior und wurden – trotz nur eines EP-Releases – gleich als einer der Hauptacts gesignt; aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Pavilion Junior ist ein Festival vor dem Festival und hier hat man eine der besten Chancen zu sehen, wo die alternative Musik aus Skandinavien sich zurzeit hinbewegt.