Mit ‘Houlden Caulfield’ getaggte Artikel

Einige Platten sind im Laufe des Jahres liegengeblieben und die möchte ich – auf mehrere Postes verteilt – in alphabetischer Reihenfolge und relativ kurz besprechen. Heute gibt es ein A zwei Cs und obendrein noch ein D.

Alcoholic Faith Mission: Ask Me This (Alarm Music), VÖ: 03.10.2011 Ask Me This - Alcoholic Faith Mission
Die produktivste Band der Copenhagen Collaboration veröffentlicht den vierten Longplayer seit 2006, können aber weder das Niveau der Vorgänger noch von der EP „And The Running With Insanity“ vom Februar halten, deren Titeltrack auch den Weg auf diese LP fand. Der Song ist auch einer der wenigen wirklichen Höhepunkte und es mag sein, dass die Kreativität nach all den Jahren etwas aufgebraucht ist. Nicht dass „Ask Me This“ schlecht ist, keinesfalls. Aber Lieder wie z.B. Don’t Be Evil, das monoton vor sich hin dudelt, fallen einfach durchs Raster. AFMs Sound hat sich auf dieser LP – die gerne wieder eine EP hätte sein dürfen – etwas Richtung Efterklang und Slaraffenland entwickelt, nur leider etwas glatter, doch das dann wiederum ohne so catchy wie die Originale zu sein. Eine längere Pause, um sich (wieder) zu finden, würde mich nicht weiter stören.

Running With Inanity

CODY: Under The Pillow, Under The Elms EP (Slow Shark Records), VÖ: 24.06.2011 Under the Pillow, Under the Elms - EP - Cody
Was habe ich mich nicht irgendwann gelangweilt. Weil halt einfach nichts Neues kam. Auf den Konzerten wurden immer wieder und wieder die gleichen Songs gespielt. Im Gegensatz zu den Collaboration-Geschwistern von Alcoholic haben CODY für diese EP eine kleine Ewigkeit gebraucht; vier Lieder in zwei Jahren, doch hat sich das Warten gelohnt. Die in Violine und Cello gebadeten Melodien gehören zu dem Besten, was die Band um Kaspar Kaae bisher geschrieben hat.
Sie bewegen sich etwas weg von Americanasound der ersten EP und dem Album „Songs“. Noch immer melancholisch und zart aber nicht mehr so beschränkt in ihrem Stil und besonders Under The Elms – ach Quatsch! – alle vier Lieder machen Lust auf den zweiten Longplayer, der (hoffentlich) 2012 erscheinen soll.

Under The Elms

Cape Canaveral: Holden Caulfield EP (Eigen Vertrieb), VÖ: 18.11.2011 Free Download
Underlyd is pulling the “potential-but…”- card. Just like my mom. But it’s ok. They like us.. a bit. Maybe. What do you think?”, schreiben Cape Canaveral auf ihrer Facebook-Wand. Ich gehe etwas weiter und sage „a lot of potential-but…” – viel zu gut gefällt mir ja schon der Name. Allerdings muss man die EP, die gratis via Bandcamp runterzuladen ist, auch als ein Versprechen ansehen, dass erst noch eingelöst werden muss. Die ersten beiden Tracks For The First Time In My Life und Holden Caulfield sind langsame lo-fi Balladen, wie man sie von tausenden Bands kennt. Am besten gefällt Mothers House, das fast an `60-Jahre Surf erinnert. Für das letzte Lied Thoughts Of Me drosseln sie wieder die Geschwindigkeit, doch kann man sich in diesen sieben Minuten treiben lassen, einer frechen Trompete und driftenden Gitarren lauschen, einfach lächelnd dahindämmern.

„Cause I just wanna hear your friends talking dirt about me / I just need something to proof that I am around / Cause I am around“ (Mothers House) – Ja, Cape Canaveral haben markiert, dass es sie gibt, aber demnächst muss das Versprechen dann auch eingelöst werden.

Dad Rocks!: Mount Modern (Father Figure Records), VÖ: 08.11.2011 Download
Dad Rocks! Erste LP ist, wie alles auf dem Lable Father Figure Records, unter Creative Commons herausgekommen, was bedeutet, dass ich sie hier gratis zum Streamen rauslegen darf – im Gegensatz zu all den andern Liedern, die sich hier in einer Grauzone befindet – und dass jeder damit machen darf, was er will. Auch ist es Frontmann Snævar Njáll Albertsson egal, ob die Platte gratis heruntergeladen wird, oder ob man doch etwas Geld für die Ausbildung seiner Kinder springen lässt.
Die meisten Lieder sind simpel strukturiert. Meist nur eine akustische Gitarre, nur ab und an sind sie von einem Piano angetrieben, die häufig verwendeten Bläser nur Garnitur. Albertsson ist ganz und gar kein großer Sänger, hat aber eine schöne warme Stimme. Immer, immer, immer hört sie sich ironisch an, was auch zu dem durchaus kulturkritischen (-pessimistischen?) Textuniversum passt: „The nagging for movies and targeted ads / Result in a dollar-value without brake-pads / Do girls get their minds fucked by cultural brats / Does it affect their moms patterns, does it affect their dads?” (Pro-Dinsney). Allerdings ist das, was auf der EP „Digital Age“ noch charmant war, auf Dauer etwas langweilig. Trotzdem darf man gerne reinhören und wenn es einem gefällt, darf man auch gerne etwas bezahlen. Mount Modern ist auch auf Vinyl erschienen in einer auf 110 Kopien limitierten Auflage. Und da habe ich doch mal was in die Zukunft von Albertssons Kindern investiert.