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Keine Top10 Albenliste dieses Jahr, aber worauf ich mich 2012 freue, kann hier nachgelesen werden.

Eigentlich sollte ich wieder eine Top 10 der besten dänischen Alben machen. Aber wie, wenn es keine zehn guten gegeben hat? Ich müsste sie auffüllen mit Platten von Let Me Play Your Guitar oder The New Spring. Und das wäre doch eher etwas deprimierend gewesen – zumindest, wenn man sie auf den vorderen Plätzen gefunden hätte. Natürlich gab es in diesem Jahr auch eine Handvoll guter EPs von Jogil Knif, Leap Over Light oder From Sarah. Aber wie ich es wende und drehe, ich habe mich schlussendlich dagegen entschieden, eine gemischte Liste zu machen.
Es bleibt aber festzuhalten, dass sowohl E Birds „Lake Of No Land“ und „Modern Man“ von Southern Gothic Tales um den ersten Platz gerungen hätten – gut dass ich die Entscheidung jetzt nicht mehr treffen muss.

Aber wer veröffentlicht etwas in diesem Jahr?
Pinkunoizu habe ich ja schon für letztes Jahr angekündigt. Dann sind leider die Riots in England dazwischen gekommen. In deren Folge ist ein Lagerhaus abgebrannt, wo ein Haufen Independentlabels ihre Platten liegen hatten, und so dauert es also noch etwas (nämlich bis März), bis „Free Time“ in die Läden kommt. Ein neues Video gibt es trotzdem jetzt schon:

Monkey Cup Dress waren auch schon letztes Jahr auf meiner Wunschliste. Dann sind einige Dinge dazwischen gekommen (Aber nicht die Riots) und es ist immer noch nicht offiziell, welches Label das fertigproduzierte Album veröffentlichen soll. Aber es soll 2012 kommen, sagen sie… Andre Veröffentlichungen von Copenhagen Collaboration dieses Jahr kommen endlich von CODY (Hätte im März sein sollen; allerdings habe ich gerade über meinen Knopf im Ohr erfahren, dass sich das um unbestimmte Zeit verschieben wird) und Sleep Party People stehen kurz vor dem Release ihrer zweiten Platte, die „We Were Drifting On A Sad Song“ heißt und am 09.04. erscheint. Die erste Single heißt A Dark God Heart:

Desweiteren wird die Debut-LP von der CC-Band From Sarah gerade jetzt gemastert. With No Arms And Legs gehen demnächst auf Europatour; im April geht es nach Berlin und Umfeld, wo sie dann von Leap Over Light begleitet werden. WNAAL veröffentlichen dieses Jahr wohl eine EP, die die bedauernswert schlechte LP von 2011 hoffentlich vergessen lässt und ihre Liveenergie einfängt, und auch von LOL erscheint wohl eine LP als Nachfolger von „Wild Oak“.

Leap Over Light: Cumulus

JetFlower stehen auch schon länger an. Das Album „We Walk Alike“ ist fertigproduziert, allerdings gibt es bisher keine Infos darüber, wann und wer sie veröffentlicht.

JetFlower: Something To Someone / The World Is Mine

Auf meiner Wunschliste für 2012 stehen dann noch eine LP von Jogil Knif und eine von The Boombox Hearts. Und das ist dann, worauf ich mich dieses Jahr freue. Ach ja, und natürlich Hammonds, Harrington & Destroy. Hier ist ein Interview und bei den Liveaufnahmen sieht man mich vorne rumspacken; Wo ist Walter?

Einige Platten sind im Laufe des Jahres liegengeblieben und die möchte ich – auf mehrere Postes verteilt – in alphabetischer Reihenfolge und relativ kurz besprechen. Heute gibt es ein A zwei Cs und obendrein noch ein D.

Alcoholic Faith Mission: Ask Me This (Alarm Music), VÖ: 03.10.2011 Ask Me This - Alcoholic Faith Mission
Die produktivste Band der Copenhagen Collaboration veröffentlicht den vierten Longplayer seit 2006, können aber weder das Niveau der Vorgänger noch von der EP „And The Running With Insanity“ vom Februar halten, deren Titeltrack auch den Weg auf diese LP fand. Der Song ist auch einer der wenigen wirklichen Höhepunkte und es mag sein, dass die Kreativität nach all den Jahren etwas aufgebraucht ist. Nicht dass „Ask Me This“ schlecht ist, keinesfalls. Aber Lieder wie z.B. Don’t Be Evil, das monoton vor sich hin dudelt, fallen einfach durchs Raster. AFMs Sound hat sich auf dieser LP – die gerne wieder eine EP hätte sein dürfen – etwas Richtung Efterklang und Slaraffenland entwickelt, nur leider etwas glatter, doch das dann wiederum ohne so catchy wie die Originale zu sein. Eine längere Pause, um sich (wieder) zu finden, würde mich nicht weiter stören.

Running With Inanity

CODY: Under The Pillow, Under The Elms EP (Slow Shark Records), VÖ: 24.06.2011 Under the Pillow, Under the Elms - EP - Cody
Was habe ich mich nicht irgendwann gelangweilt. Weil halt einfach nichts Neues kam. Auf den Konzerten wurden immer wieder und wieder die gleichen Songs gespielt. Im Gegensatz zu den Collaboration-Geschwistern von Alcoholic haben CODY für diese EP eine kleine Ewigkeit gebraucht; vier Lieder in zwei Jahren, doch hat sich das Warten gelohnt. Die in Violine und Cello gebadeten Melodien gehören zu dem Besten, was die Band um Kaspar Kaae bisher geschrieben hat.
Sie bewegen sich etwas weg von Americanasound der ersten EP und dem Album „Songs“. Noch immer melancholisch und zart aber nicht mehr so beschränkt in ihrem Stil und besonders Under The Elms – ach Quatsch! – alle vier Lieder machen Lust auf den zweiten Longplayer, der (hoffentlich) 2012 erscheinen soll.

Under The Elms

Cape Canaveral: Holden Caulfield EP (Eigen Vertrieb), VÖ: 18.11.2011 Free Download
Underlyd is pulling the “potential-but…”- card. Just like my mom. But it’s ok. They like us.. a bit. Maybe. What do you think?”, schreiben Cape Canaveral auf ihrer Facebook-Wand. Ich gehe etwas weiter und sage „a lot of potential-but…” – viel zu gut gefällt mir ja schon der Name. Allerdings muss man die EP, die gratis via Bandcamp runterzuladen ist, auch als ein Versprechen ansehen, dass erst noch eingelöst werden muss. Die ersten beiden Tracks For The First Time In My Life und Holden Caulfield sind langsame lo-fi Balladen, wie man sie von tausenden Bands kennt. Am besten gefällt Mothers House, das fast an `60-Jahre Surf erinnert. Für das letzte Lied Thoughts Of Me drosseln sie wieder die Geschwindigkeit, doch kann man sich in diesen sieben Minuten treiben lassen, einer frechen Trompete und driftenden Gitarren lauschen, einfach lächelnd dahindämmern.

„Cause I just wanna hear your friends talking dirt about me / I just need something to proof that I am around / Cause I am around“ (Mothers House) – Ja, Cape Canaveral haben markiert, dass es sie gibt, aber demnächst muss das Versprechen dann auch eingelöst werden.

Dad Rocks!: Mount Modern (Father Figure Records), VÖ: 08.11.2011 Download
Dad Rocks! Erste LP ist, wie alles auf dem Lable Father Figure Records, unter Creative Commons herausgekommen, was bedeutet, dass ich sie hier gratis zum Streamen rauslegen darf – im Gegensatz zu all den andern Liedern, die sich hier in einer Grauzone befindet – und dass jeder damit machen darf, was er will. Auch ist es Frontmann Snævar Njáll Albertsson egal, ob die Platte gratis heruntergeladen wird, oder ob man doch etwas Geld für die Ausbildung seiner Kinder springen lässt.
Die meisten Lieder sind simpel strukturiert. Meist nur eine akustische Gitarre, nur ab und an sind sie von einem Piano angetrieben, die häufig verwendeten Bläser nur Garnitur. Albertsson ist ganz und gar kein großer Sänger, hat aber eine schöne warme Stimme. Immer, immer, immer hört sie sich ironisch an, was auch zu dem durchaus kulturkritischen (-pessimistischen?) Textuniversum passt: „The nagging for movies and targeted ads / Result in a dollar-value without brake-pads / Do girls get their minds fucked by cultural brats / Does it affect their moms patterns, does it affect their dads?” (Pro-Dinsney). Allerdings ist das, was auf der EP „Digital Age“ noch charmant war, auf Dauer etwas langweilig. Trotzdem darf man gerne reinhören und wenn es einem gefällt, darf man auch gerne etwas bezahlen. Mount Modern ist auch auf Vinyl erschienen in einer auf 110 Kopien limitierten Auflage. Und da habe ich doch mal was in die Zukunft von Albertssons Kindern investiert.

Murder @ Vega, 29.08.2011
CODY @ Ofelia Beach, 2.09.2011

Zwei Abschiede standen an. Murder leiteten im Vega den Herbst ein und CODY versuchten den Sommer doch nochmal heraufzubeschwören. Beide Bands werden wir vermissen und müssen uns die Zeit wohl mit Soloprojekten vertreiben.

In zwei Tagen sollte es noch einen Nachschlag in Aarhus geben, aber das hier war die wirklich Abschiedsparty. „Als wir letztes Mal hier gespielt haben, begann gerade der Frühling. Jetzt ist es also Herbst – I guess we are that kind of band“, brachte Anders Mathiasen es gleich zu Beginn auf den Punkt. Nach 30 Konzerten in Dänemark und 35 Jobs im Ausland mit „Gospel of Man“ im Gepäck beendeten sie ein kleines dänisches Wunder mit einem großartigen Konzert – wiedermal großartig. Natürlich.
Während Mathiasen einfach nur sichtlich erfreut ist, ist Sänger Jacob Bellens für den Quatsch zuständig, erzählt Anekdoten und bekennt, dass er das Rauchen aufgegeben hat, von 40 auf 0: „Damals hat Anderes gesagt, man müsse rauchen, um Rock `n` Roll spielen zu können.“ Sie spielten nochmal anderthalb Stunden lang ihre feierlichen und ganz und gar unrocknrolligen Hymnen, die so gar nicht zu dem Spaß- und Quatschfeuerwerk passen, das sie zwischen den Liedern abfeuern.
Damn, sie werden vermisst in den nächsten Jahren, bis sie endlich wieder eine neue Platte aufnehmen werden. Bellens ist schon wieder mit I Got You On Tape oder als Alleinunterhalter unterwegs, Mathiasen hat – wohl um sich nicht zu langweilen – eine neue nette Band gegründet: Vessel. Die erste Platte „Enlettered Species“ soll irgendwann 2012 erscheinen.

CODY haben gerade die EP „Under The Pillow, Under The Elms” rausgebracht, die leider nicht ganz mit dem Debut oder dem Longplayer mithalten kann. Wahrscheinlich haben sie die gemacht, weil sie sich mit ihrem alten Material nach zwei Jahren langsam gelangweilt haben – und da waren sie ja nicht die einzigen. Und das gab Kaspar Kaae am Freitag bei strahlendem Sonnenschein auch mehr oder weniger unverblümt zu.
In der Innenstadt von Kopenhagen am Kanal ist eine Freiluftbühne aufgebaut, auf der es den Sommer über Gratiskonzerte gab und hier spielte die Band, die die dänische Americanawelle in Gang gebracht hat, ein letztes Konzert. Fünf neue Lieder taten überhaupt gar nicht Not, waren natürlich trotzdem gern gehört. Eine Zugabe noch, dann ging es ins Studio und hoffentlich gibt’s die nächste LP dann auch bald. Bis dahin kann man sich die Zeit mit Guitarist David Fjelstrups Zweitband From Sarah vertreiben, die gestern, am Montag, ihre EP „Notes“ rausgebracht haben – Review folgt.

CopCol @ Huset, 12.06.2011

Copenhagen Collective, das sich jetzt Copenhagen Collaboration nennt, feiern ihr einjähriges Bestehen mit einem Konzert, das alle Erwartungen bestätigt. Vielleicht sogar das größte musikalische Erlebnis 2011 sein wird.

Das Kollektiv hatte ich ja schon mal erwähnt und nun mussten sie also – wegen einem Lied von Trentemøller – ihren Namen ändern. Sonst ändert sich nichts. 10 Bands, mit wohl über 30 Mitgliedern, die sich vor einem Jahr dazu entschieden haben, dass das Konkurrenzverhalten überhandnahm und das es besser wäre, man arbeitet zusammen als gegeneinander: „Über musikalische und ideologische Grenzen hinweg“, wie Troels Høeg von The Ondt and the Gracehoper es zur Introduktion dieses zweiten Abends formuliert.

Am 11. und am 12. Juni feiert CopCol Geburtstag mit zwei ausverkauften Konzerten im Huset i Magtstræde. Bis auf Stærosaurus sind alle Bands da und spielen ihre Lieder untereinander, miteinander und für einander und natürlich auch für uns. Wie das aussieht, kann man auch in einem Video sehen, das sich bereits durch die ganze Blogosphäre gearbeitet hat: Ein Cover von Band of Horses‘ The Funeral. Und eben jene Band hat diesen Song auch dem Kollektiv gewidmet, als sie am gleichen Abend auf dem dänischen Northside Festival spielten.

Von jeder Band gibt es heute zwei Lieder. Den Anfang macht Brian Batz‘ Projekt Sleep Party People. Träumerisches und doch laute Klänge läuten einen Abend ein, der für alle Beteiligten unvergesslich werden sollte. Hellraiserten überraschen mich danach positiv, CODY spielen zwei ganz neue Lieder von einer EP, die wohl Anfang Juli erscheinen soll – was auch Zeit wird, da die ersten EP und „Songs“ schon eine ganze Weile her sind. Under The Elm ist wahrscheinlich einer der besten Songs, die Kaspar Kaae bisher geschrieben hat. Before The Show spielen auf und den Abschluss der ersten 50 Minuten machen dann My Name Is Legion, deren Musik sich etwas vom Rest unterscheidet, die Konzertvenue aber im Laufe ihrer zwei Lieder in einen Mini-Rave verwandeln.

Die beiden Mädchen von Monkey Cup Dress eröffnen den zweiten Teil dieses Abends mit Honolulu. Das Lied Stacy hört sich mit seiner 9-Mannbesetzung so großartig und gewaltig an, dass es der klare Höhepunkt eines an Höhepunkten nicht gerade armen Konzerts ist. From Sarah, eine neue Band im Kollektiv mit David Fjelstrup (CODY) und Moogie Johnson, sind eine nette neue Bekanntschaft. Fjelstrup, der bei CODY nur die zweite Stimme singt, kommt ihr endlich zu seinem Recht. Alcoholic Faith Mission, die von allen Bands die wohl meisten Platten veröffentlicht haben, schließen den Reigen und zu Abschluss gibt es – wie zu erwarten war – The Funeral.

Auch wenn einige Mitglieder mehr zufrieden mit dem Samstag waren (was kaum vorzustellen ist), wurde dieser Sonntag mit Hilfe von einem Raumklangmikrophon aufgenommen und vielleicht, vielleicht wird das Ganze zu einer Doppel-LP. Dieser unvergessliche Abend in Gesellschaft dieser talentierten jungen Menschen hätte es verdient, wieder und wieder erlebt werden zu können.

Sothern Gothic Tales @ Huset, 9.04.2011

Bevor das nächste Wochenende anbricht, sollte ich ja noch schnell mein Konzerttagebuch weiterführen. Nach dem Konzerthopping am Freitag ging es weiter. Erst wieder auf Kødbyen, wo das Start! Festival Programmrelease hielt und dann aufs Huset, wo Southern Gothic Tales sich für ihre zweite LP feiern ließen.

Das Start! Hat gerufen und alle sind sie da. Naja, einige sind da. Zum Programm darf man sagen, dass ich sehr glücklich damit bin. Neben Lis Er Stille – die eine Überraschung sind, weil sie bereits zwei Platten veröffentlicht haben und das Festival eigentlich für Newcommer ist – spielen auch Dreamjockey und Leap Over Light. Letzter haben gerade sehr gute Kritiken für ihre Demo bekommen und erinnert euch doch bitte, wo ihr sie das erste Mal gehört habt. Ja, genau! Hier.

Dass Leap und Dreamjockey gleichzeitig spielen? Ja, nicht ganz so glücklich.

Danach gings weiter in die Innenstadt zum Huset i Magtsræde. Southern Gothic Tales gehen erst um 10 auf die Bühne und Anders Riis will erst nach dem Konzert ein Interview geben. Zeit für uns ins Parterre zu gehen. Hier feiern gerade die Sozialisten eine Party und man darf – ganz solidarisch – bezahlen, was man will. Wir bezahlen nichts; sind ja Journalisten. Zu meiner Freude geht just in den Moment, wo wir unten sind, Mixtune For Cully an die Instrumente. Ich wollte Aage Hedensted, der im Oktober 2008 die erste Platte „We know Where The Aircrafts Hide” rausgegeben hat, immer schon mal live sehen; und da er in Aarhus wohnt, kommt er eher selten in die Stadt der Könige. Der Sound auf der improvisierten Bühne war allerdings mies, aber nach einer Weile haben wir den Happy Spot gefunden. Also: Sozialisten haben die beste Mucke, aber den schlechtesten Sound. Word!

Aber das war ja alles nur ein kurzer Abstecher. Wir sind hier wegen den Tales, die oben im Musikcafen spielen, und als wir um kurz vor Zehn da sind, sind sie auch schon auf der Bühne und spielen Where Everybody Drown. Bassist Moogie Johnson, war gestern wohl noch etwas länger im KB18 und trägt die absolut, wirklich absolut dümmste Sonnenbrille. Huset ist hier oben etwas leer, aber die Stimmung ist gut und konzentriert und die Band spielt großartig. „Es ist schwierig, so deprimierende Songs zu spielen, wenn man eigentlich so gut gelaunt ist“, sagt Riis irgendwann.

Während die erste Platte „In Every Seaport Town“ von der Flucht aus der Kleinstadt handelt, ist der Nachfolger „Modern Man“ eher von einer Art innerem Eskapismus geprägt und vielleicht auch eine Studie übers Saufen in der Großstadt. Ich hoffe, demnächst eine Review zu bringen. Als wäre diese Band nicht an sich schon gut genug, gesellen sich noch irgendwann Frederik Thybo (CODY) mit seiner Violine und Camilla Munck (Munck//Johnson) mit ihrer tollen Stimme zu den fünf Musikern. Und mehr möchte ich erstmal gar nicht erzählen. Wie gesagt: Eine Plattenkritik kommt wohl demnächst.

5 Tage – 14 Bands. Das war der Plan.

Die Kopenhagener Konzertsaison wird hier auf Four Sheets gekickstartet und das gleich mit einem kleineren persönlichen Stadtfestival. 5 Tage, 4 Venues, 14 Bands und alle entweder gratis oder zu einem Spotpreis. Vielleicht habe ich mir etwas viel zugemutet, aber das weiß man ja auch immer erst später. Aus Erfahrung lernt man aber ja bekanntlich und deshalb gibt es jetzt diesen Erfahrungsbericht.

Mittwoch, 23.02.
The Enfant & The Quiet + Celinder + Never Gonna Be Like Sandra @ Huset i Magstræde. 30,- Kr

Jeden Mittwoch spielen drei upcomming Bands auf Huset für gerade mal 30,- Kronen. Das Publikum an diesen Abenden besteht hauptsächlich aus Freunden und Bekannten der Bands, die hier auftreten. So auch heute. The Enfant & The Quiet haben am 28. Januar ihre erste EP auf dem kleinen aber respektierten Lable GO’ Danish Folk Music veröffentlicht. „Diamond Eyes & Silver Sound“ ist eine stille, ruhige und melancholische Angelegenheit und so auch dieses Konzert. Sänger William Kudahl Sørensen leitet trotz seiner Jugend souverän durch das Set. Allerdings wirkt es ab und an etwas einschläfernd und auch der Drummer droht öfters, hinter dem Schlagzeug wegzunicken. Das alles ist zu hause auf dem Plattenteller doch etwas anderes. Nur zu dem älteren Nightmares And You, das „etwas wilder ist“ wachen er und das Publikum auf und auch das Cash-Cover Take This Hammer (das wohl eigentlich schon 100 Jahre auf dem Buckel hat) zeigt, dass dieses Jungs eine Zukunft haben könnten.

Wir sind gerade draußen und machen ein Interview mit Enfant, als Celinder die Bühne betreten. Die sind irgendwie funky und irgendwie ein bischen wie Sting und irgendwie auch nicht weiter erwähnenswert.

Never Gonna Be Like Sandra haben einen klasse Namen. Das ganze ist surfpoppig und ganz nett, ohne aber vom Hocker zu reißen. Trotzdem ist Seashore & Living Legends auf ihrer Myspace durchaus hörenswert und lustig – „noch ein Lied über Liebe“.

Donnerstag, 24.02.
Monkey Cup Dress + Death Valley Sleepers @ Idela Bar. Gratis Eintritt

Die beiden wunderbaren Mädchen von Monkey Cup Dress haben bereits ein beeindruckendes musikalisches CV und im Spätsommer soll dann endlich das Debüt auf einem kleinen spanischen Label erscheinen. Line Felding spielt Ukulele und – wie auch bei CODY – Cello, während Sidse Holte hauptsächlich Gitarre und dieses kleine Daumenklavier namens Kalimba spielt.

Zusammen schaffen sie einen minimalistischen – mal herzzerreißenden, mal -erwährmenden – Pop, ohne den ich nie wieder leben möchte. 45 Minuten lang verzaubern sie eine Location, die normalerweise von friday fashion show Teenagern bevölkert wird.

Death Vally Sleepers sind sechs Leute von denen vier aussehen, als wären sie die unehelichen Kinder von Boy George. Die Mucke klingt ein wenig wie die Smashing Pumpkins und das einzige, was ich interessant finde, ist das Gesicht des Drummers, das im Laufe eines Liedes das komplette menschliche Gefühlsregister zeigt. Ein netter zweiter Abend.

PS: CODY ist wohl bald mit neuem Material am Start.

Freitag, 25.02.
Leap Over Light + Slyngelstaten + Tetris=Therapy @ Huset i Magstræde. 30,- Kr

Catching Paper Planes ist eine relativ neue Managment- und Bookingagentur, die unter Anderem auch The Foreign Resort zu ihren Klienten zählen darf. Heute abend veranstalten sie zum ersten Mal Catching Paper Planes Presents!, das als Entwicklungshilfe für junge Band gedacht wird. Das Publikum bekommt anfangs Bewertungszettel für jede Band in die Hand gedrückt und eine Jury soll später (und intern) konstruktive Kritik geben. Einer von ihnen erzählt mir später, dass das Niveau seiner Meinung nach nicht besonders hoch war.

Die der Bands heute Abend sind aus über 70 Bewerbungen ausgewählt. Den Anfang machen Leap Over Light, die ihr erstes Konzert überhaupt spielen. Lennart Rasmussen ist ein verteufelt guter Gitarrist und streut im Gegensatz zu den Studioaufnahmen gezielt Soli ein. Julie Aagaard singt, spielt Piano und ist am Laptop für die Beats und Hintergrundgeräusche zuständig, wirkt damit nicht gerade überfordert, aber doch so konzentriert, dass sie nicht viel Zeit hat, sich zum Publikum zu verhalten. In Zukunft würden mehr Mitmusiker dem Duo gut zu Gesicht stehen; was wohl auch in Planung ist.

Slyngelstaten singen auf Dänisch, singen laut auf Dänisch, sehr laut. Sie haben ihren eigenen Tonmann mit und der hat bis zum Anschlag aufgedreht, dass es schwer auszuhalten ist. Sie sehen aus, als hätten sie Spaß wie auch die Menschen, die für lauten pathetischen Rock gemacht sind. Wir sind eher für gute Coctails nebenan im Cafe Katz gemacht und gehen kurz einen trinken.

Als wir wiederkommen spielen Tetris=Therapy. Das ist elektronischer Shoegaze und einzelne Elemente wirken beeindruckend, doch funktionieren sie nicht ganz im Zusammenspiel. Insgesamt ein sehr vergnüglicher Abend, werde die beiden zweiten Bands aber wohl nie wieder sehen.

Samstag, 26.02.
Alcoholic Faith Mission + Among Relatives + Deer Bear + Gustav Foss @ Lille Vega. 70,- Kr

Der vorletzte Tag meines kleinen Kopenhagen Festivals. Eigentlich hätte Einlass um 20 Uhr sein sollen; ich sehe dann aber – als ich um halb zehn vor der Tür steh – dass die Leute schon um 7 aufgemacht haben. So verpasse ich nicht nur Gustav Foss, was geplant war, sondern leider auch Deer Bear, von denen ich nur noch das letzte Lied sehe.

Lille Vega ist gut gefüllt. Wahrscheinlich weil die sehr freigiebig mit Karten um sich geschmissen haben. Selbst ich stehe hier +3 auf der Liste und ich kenne den Veranstalter 3rd Tsunami nur peripher. Um 21:45 kommen Among Relatives und Leute kreischen und es gibt die ganz großen Rockbewegungen: Faust in die Luft, breitbeiniges Gitarrengejaule, der Leadsänger heißt Jimmy. Irgendwann gibt’s das Prostspiel. Irgendwann gibt’s immer das Prostspiel.

Vor einem Jahr haben sie ihr Debüt „This Room“ rausgegeben, was mir wirklich etwas zu sehr in den ’90ern verwurzelt ist. Aber ein sehr gute, gehetzter Gesang.

Wenn mich nicht alles täuscht, haben Alcoholic Faith Mission drei reguläre Alben herausgegeben (aber irgendwelche Doppelalben aus Japan gibt’s wohl auch) und vor einigen Tagen gab es die von den Kritikkern gelobte EP „And The Running With Insanity“. Gerade wurden sie fürs texanische SXSW bestätigt und ab 22:30 zeigen sie auch warum, fangen an mit Escapism vom 2009-Werk „421 Wythe Avenue“: „I’m old enough to fall apart.“ Und wie recht sie haben und ihr Name ist Programm. Posaune, Chorgesang, Percussion und Elektrosamples. Der Höhepunkt dieser fünf Tage. Und ich merke, ich werde alt, als ich um zwölf Uhr durch die skandinavische Kälte nach Hause trotte.

Sonntag, 27.02.
Marie-Louise Munk + mOOnbird @ Kaffeebaren på Amager. Gratis Eintritt

Wie haben Alcoholic Faith Mission gestern zum Abschluss gesungen? Entweder „It’s over now“ oder „It’s time to sober up“, ich hab’s nicht ganz verstehen können. Einerlei, denn beides trifft zu an diesem fünften und letzten Tag. Das aarhusianische Musikmagazin Geiger findet, dass es nicht genug Konzerter auf Amager gibt und wollen das an jedem letzten Sonntag im Monat ändern. Zur ersten Ausgabe gibt es um 16 Uhr Marie-Louise Munck und m00nbird. Erstgenannte eröffnet den Nachmittag. Vor einem Jahr habe ich in der Plattenreview zu „The Birds Fly Up“ gesagt, sie sein mal wie Beth Gibbons und dann eher wieder wie Dido. Heute ist sie nur Beth Gibbons, singt zerbrechlich und überirdisch. Besonders Rose Is My Name, das wohl auf eine neue Platte kommt, und All The Time In The World bringen die knapp 30 Leute dazu, ihren Gedanken nachzuhängen.

Und mOOnbird weckt sie dann alle wieder auf. Im Hintergrund gibt’s eine Videoperformance, Jonatan Bengta ist wie immer als Vogel mit Phantasieuniform verkleidet und hüpft und springt hinter seinem Keyboard und seinen Elektrodrums, singt und loopt sich selbst. Obwohl er Texte hat, klingen sie doch eher wie Geräusche, sind keine menschliche Stimme mehr. Alle klingt mal wie Regentanz, mal nach Urwald. Darauf dann doch noch 1 letztes Bier und müde nach Hause.

5 Tage, 14 Bands. Es war schön, aber jetzt reicht’s!