Mit ‘Bremen’ getaggte Artikel

Slaraffenland + Jomi Massage @ Bremen, 02.04.2011

Slaraffenland sind die Geilsten. Aber wie geil muss man sein, wenn man fast geiler ist als sie? Jomi Massage zeigt uns das an diesem Abend im Bremen.

Am 11. März gab´s die Nachricht im Newsletter von Billetlugen, dass die Tickets für das heutige Konzert für 1 Krone rausgehauen werden. Einen Tag später bringt die Musikzeitschrift Gaffa die Neuigkeit und kurz darauf sind alle 644 Plätze im Bremen besetzt… Naja, auf jeden Fall sind die Tickets weg, besetzt sieht in der samstagabendlichen Realität anders aus: Das Theater ist mit viel gutem Willen zu dreiviertel gefüllt und dazu passt auch das kurze Gespräch, dass wir draußen aufschnappen:

- Kennst du die Bands?
- Ne, aber ich hab gehört, dass die gut sein sollen

Sind sie. Besonders heute Abend. Vogelgezwitscher erklingt schon seit geraumer Zeit in dem schönen Theatersaal. Kurz nach acht betritt dann Jomi Massage alias Signe Høirup Wille-Jørgensen – die auch hinter Speaker Bite Me steckt – alleine die Szene, setzt sich hinter ihre zwei Elektro-Pianos und singt mit Distortion und sonst nichts das schöne I Steal Flowers. Danach betritt der schottische Autor und Multinstrumentalist Luke Sutherland die Bühne und begleitet Wille-Jørgensen durch den Rest des Sets. War es Tarantino, der den Filmgangstern beigebracht hat, die Wumme schräg zu halten? So hält Sutherland seine E-Violine. Sonst steht er auch cool mit der Gitarre irgendwo im Hintergrund der großen Bühne und spielt lässig vor sich hin.

Um viertel vor neun verlassen die ersten Leute ihre Plätze…

Müssen sich wohl jetzt durch den Samstagabend trinken…

Das Leben eines Teenagers ist nicht leicht…

Slaraffenland geben das erste Konzert seit längerer Zeit, fangen an mit dem bezaubernden Stars And Smiles von der letzten Platte „We´re on Your Side“ (Wird es nicht langsam Zeit für den vierten Longplayer?). Und ja: Bjørn Heebøll, Jeppe Skjold, Niklas Antonson und die Zwillinge Christian und Mike Taagehøj zeigen, dass sie doch die Geilsten sind. Fast schon zu geil und perfekt. Über das Vergnügen, Schlagzeuger Heebøll beim Arbeiten zu zusehen, habe ich ja schon mehrmals geschrieben, doch alle spielen souverän das Set runter: Meet And Greet, Postcard. Dieses Mal geht keiner. Nur wir nach ca. 40 Minuten. Meine Begleitung ist krank. Aber gut zu sehen, dass Slaraffenland wieder auf Tour sind. Nächstes Mal dann hoffentlich nicht für 1,- Krone und ich bleibe, wie hoffentlich alle, bis zum Schluss.

Teitur, Bremen, 6.12.2010

Inzwischen ist es schon Tradition, dass Teitur sein Publikum mit einem Weihnachtskonzert beglückt. Dieses Mal hat er seine neue Platte „Let The Dog Drive Home“ im Gepäck und außerdem 12-jährige Punkkidz und nen Weihnachtsmann (dieses Jahr nicht betrunken) und ne Vorband und Marshmellows und eine Weihnachtsbotschaft.

Kurz nach sieben ist das kleine Foyer vom Bremen vollgepackt und die Leute lassen sich von unsagbarem Lärm belämmern, wie ich ihn so nicht mehr gehört habe, seit wir unsere hoffnungslose Punkband Ende der Neunziger aufgelöst haben. Letztes Jahr hatte Teitur einen Weihnachtsmann mit, den er tags zuvor auf Nyhavn aufgegabelt hatte. Dieses Jahr ist es – erzählt uns sein Manager – der Coverdesigner und deshalb wohl auch nicht so betrunken, wie damals; man lernt halt aus seinen Fehlern. Immer wieder greift er in seinen enormen Sack und teilt allerhand Kugelschreiberquatsch und Mohrrüben aus. Die, die damit nicht vollends beglückt sind, drängen sich um den kleinen Merchandisestand. Später während des Konzerts weist der Mann des Abends auch noch darauf hin: „Und da könnt ihr Taschen kaufen, T-Shirts, CDs“, es fällt ihm selbst nach einer kurzen Pause auf, „ja, meine Weihnachtsbotschaft.“ Es war ihm schon vor zwei Monaten im Koncerthuset peinlich, darauf hinzuweisen.
Doch jetzt geht es erstmal rein auf die Plätze. Es ist acht und die Vorband Band ist Songs For Wendy. Mads Mouritz und die isländische Sängerin Disa sind gerade auf Tour und nehmen ihre Debütplatte, die im Herbst 2011 erscheinen soll, live auf. Die Musik ist ist zuckersüßer Folk, viel zu nett und ohne nennenswerte Friktion – nicht weiter erwähnenswert, aber eine kleine Kostprobe gibt es auf Soundcloud.

Nach einer kurzen Pause erscheint dann der Meister auf der Bühne, setzt sich für zwei Lieder alleine ans Klavier:

I always had the voice, and now I am a singer
The audience grows silent, when I open up my mouth

The Singer, dieses kleine Stück wunderbarer Musik, gibts als erstes, danach All My Mistakes (“all my mistakes have become masterpieces”). Seine Backingband, die jetzt auftaucht, besteht zu drei Vierteln aus Mitgliedern von Jacob Bellens Band I Got You On Tape – alias Gitarrist Jacob Funch, Bassist Jeppe Skovbakke und Drummer Rune Kielsgaard und es ist deshalb also kein Wunder, wie eingespielt sie ist.
Wir kommen gut rum in Teiturs Backkatalog, das sublime – nur leicht platte – Stormy Weather, das wunderbare Never Leave LA von dem neuen Album und natürlich – zwei Tage vor John Lennons Todestag – der größte Hit Louis, Louis:

Louis, Louis
They shot all the poets
Louis, Louis
The world is not like you know it
There´s no one with the right agenda
That´s why we stay down here and won´t surrender
Louis, Louis
But only music is the answer

Vielleicht ist Teitur zu bodenständig, um ein wirklicher Popstar zu sein, seine Musik vielleicht auch zu zuckersüß (doch anders als bei Song For Wendy mit mehr Inhalt), aber es war ein wirklich schönes Weihnachtskonzert; spätestens als vier Chormädchen die Bühne betreten und mit dem Rest der Band eine Endlosversion von Little Drummerboy spielen, hat Teitur uns alle. Er, die beiden Punkkidz, der Weihnachtsmann und sein Manager gehen durchs Publikum und verteilen Marshmellows, mmmhhhh.
Zum Abschluss kommen dann nochmal alle auf die Bühne und spielen Lennons Happy Christmas (War Is Over) und nach drei Zugaben von Teitur alleine am Klavier ist die Show für dieses Jahr dann auch vorbei. Und wir gehen durch den Schnee nach Hause, freuen uns auf nächstes Jahr.

Medina Medium

Veröffentlicht: 17/11/2010 in Neues/Vermischtes
Schlagworte: , , , , ,

Danish Music Awards, Bremen, 14.11.2010

Auftrag an Gaffa: bitte besser machen!

Medina, Medina, Medina, Medina, Medina und das Producerteam Providers für das Lied ”Vellkommen til Medina”. Es handelt sich beim DMA angeblich um den wichtigsten Musikpreis des Jahres. Warum? Sicher, weil es die Verkäufe im Ausland ankurbeln könnte, wenn ein Sticker „6-facher Gewinner des Danish Music Awards“ auf der CD klebt.

Wir hatten schon unseren Spaß hinten in Reihe 23; zumindest wenn wir am Ausknobeln waren, wer das nächste Bier holen geht. Unten auf der Bühne führte Aqua-Junge Søren Rasted durch das Program und hielt sich angenehm zurück und erzählte auch nur zwei schlechte Witze: Darf man Emails an Gefängnisinsassen schreiben? Ja, aber es dürfen keine Files angehängt werden. Ja, auch auf Dänisch nicht viel besser.

Irgendwas hier in DK läuft ganz gehörig verkehrt – also musikalisch, politisch ja sowieso. Wo sind alle die kleinen Indiebands, die bei ihren Auftritten südlich der Grenze immer wieder gefeiert werden? CODY war immerhin drei Mal nominiert. Ansonsten? Nichts. Wo waren The Rumour, Chimes & Bells, Murder, Choir und all die anderen? Wie kann Medina mit ihrer mittelmäßigen Musik sechs preise absahnen?

Ich weiß es nicht, bin zu müde, um es zu analysieren, und es gibt von dieser provinziell anmutenden Preisverleihung auch nichts zu erwähnen. Nichts. Oh, doch vielleicht, dass Medina den Preis als Der Dänische Newcommer gewonnen hat. Dass ihr Debüt im September 2007 erschienen ist? Vollkommen egal.

Der Gaffa-Award im Dezember wird hoffentlich ein intelligenteren Eindruck hinterlassen.

Schnell aufräumen. So als wäre nichts gewesen.

Heute Abend stehen die Danish Music Awards an. Da geht es ganz ähnlich zu, wie bei anderen Musikevents: Reichlich schlechte Musik und einige wenige Perlen. Ich bin auch am Start – komplett erwartungslos.
Nominiert sind:

Dänische Album des Jahres:
Kashmir “Trespassers” – Sony Music
Medina “Velkommen Til Medina” - A:Larm/labelmade/MBO
Mew “No More Stories” – A:larm/MBO
Nephew “Danmark Denmark” – Copenhagen Records/MBO
Rasmus Seebach “Rasmus Seebach” – ArtPeople 

Dänische Gruppe des Jahres:
Alphabeat “The Spell” – Copenhagen Records/MBO
Kashmir “Trespassers” – Sony Music
Nephew “Danmark Denmark” – Copenhagen Records/MBO

Dänische Künstlerin des Jahres:
Fallulah “The Black Cat Neighbourhood” – Sony Music
Medina “Velkommen Til Medina” – A:Larm/labelmade/MBO
Stine Bramsen (Alphabeat) “The Spell” – Copenhagen Records/MBO
 
Dänische Künstler des Jahres:
Burhan G “Burhan G” – Copenhagen Records/MBO
Rasmus Seebach “Rasmus Seebach” – ArtPeople
Trentemøller “Into The Great Wide Yonder” – A:larm/MBO
 
Dänische Newcommer des Jahres:
Fallulah “The Black Cat Neighbourhood” – Sony Music
Medina “Velkommen Til Medina” – A:Larm/labelmade/MBO
Nabiha “Cracks” – Border Breakers/Warner Music
 
Dänische Songschreiber des Jahres:
Medina & Providers for Medina “Velkommen Til Medina” – A:larm/labelmade/MBO
Rasmus & Nicolai Seebach samt Jinks for Rasmus Seebach “Rasmus Seebach” – ArtPeople
Søren & Nicolaj Rasted for Hej Matematik! “Alt Går Op I 6” – Copenhagen Records/MBO
 
Dänischer Produzent des Jahres:
Providers for Medina “Velkommen Til Medina” A:larm/labelmade/MBO
Rasmus & Nicolai Seebach for Rasmus Seebach “Rasmus Seebach” – ArtPeople
Trentemøller for Trentemøller “Into The Great Wide Yonder” – A:larm/MBO
 
Dänische Hit des Jahres:
Burhan G feat. Medina “Mest Ondt” – Copenhagen Records/MBO
Kato feat. U$O & Johnson “Hey Shorty (Yeah Yeah Pt. 2)” – disco:wax
Medina “Vi To” – A:larm/labelmade/MBO
 
Dänische Hit des Jahres:
Edward Maya feat. Vika Jigulina ”Stereo Love” – Sony Music
Stromae “Alors On Danse” – Universal Music
Yolanda Be Cool & DCUP ”We Speak No Americano” – Sony Music

Ausländische Band des Jahres:
Grizzly Bear “Veckatimest” – VME
Lady Gaga “The Fame Monster” – Universal Music
Robyn “Body Talk Pt. 1” – EMI
 
Dänischer Jazzrelease des Jahres:
Jakob Bro ”Balladeering” – Loveland Records
Nikolaj Hess ”Global Motion” – Stunt
Thomas Maintz ”This Is The Colour” – Gateway
 
Dänischer Vokaljazzrelease des Jahres:
Indra ”Indra” – Gateway
Sinne Eeg ”Don’t Be So Blue” – Red Dot Music
Sissel Vera Pettersen /Nikolaj Hess ” A Word” – Calibrated
 
Dänischer Jazznewcommer des Jahres:
August Rosenbaum ”Beholder” – Gateway
Magnus Hjorth Trio ”Old New Borrowed Blue” – Stunt
Thomas Bornø ”Village Nights” – Calibrated
 
Der dänische Crossoverjazzrelease:
Benny Andersen og Livslinjerne ”Hyldest Til Holdbarheden” – Playground Music
Girls In Airports ”Girls In Airports” – Gateway
Thunderstrucks ”Thunderstrucks” – Blackout Music
 
Das dänische Folk-album des Jahres:
CODY ”Songs” – Slow Shark /VME
Falgren Busk Duo ”Duet” – Go’ Danish Folk Music
Mike Andersen Band ”Echoes” – Cope/VME
Nalle & His Crazy Ivans ”Back To The Roots” – Marsk Music
Valravn ”Koder På Snor” – VME
 
Der dänische Folknewcommer des Jahres:
CODY ”Songs” – Slow Shark /VME
Falgren Busk Duo ”Duet” – Go’ Danish Folk Music
Tim Lothar & Peter Nande ”Two For The Road” – Straight Shooter Records
 
Der dänische Folk Musiker/Vokalist des Jahres:
Martin Seeberg ”Koder På Snor” – VME
Mike Andersen ”Echoes” – Cope/VME
Nikolaj Busk ”Duet” – Go’ Danish Folk Music
 
Dänischer Folkkomponist des Jahres:
Bjarke Falgren ”Duet” – Go’ Danish Folk Music
Kasper Kaae ”Songs” – Slow Shark /VME
Mike Andersen ”Echoes” – Cope/VME
 
Das dänische Worl-Album des Jahres:
Afenginn: “Bastard Etno” – Westpark Music
Basiru Suso ”Foli” – Gateway Music
Dánjal ”The Palace” – TUTL /Peregrina Music
Sara Indrio & The Latin Collective “Vol. 1” – Tralala Music / At:tack Music
Vokalselskabet Glas ”Kopirin” – Glas

Der dänische World-song des Jahres:
Alis Riddim feat. Wafande ”Lang Vej Hjem” – Juicyhalftone Records
Fatma Zidan ”Ana Kol” – Gateway Music
Mizgin ”Welcome Delal” – Missing Voices