Mit ‘A Key Is A Key’ getaggte Artikel

Rolf Hansen + Jeppe Cornelius, Stubnitz, 23.2.2010
Rolf Hansen + A Key Is A Key, Huset ved kongens Have, 11.3.2010

Il Tempo Gigante in Person von Rolf Hansen ist zurück und schlägt nach einem großartigen Prolog endlich das erste Kapitel der neuen, großen Zeit auf.

Es war still geworden, so verdammt still. Im September 2008 spielten Il Tempo Gigante noch auf dem Nye Rødder-Festival, kurz darauf zusammen mit Choir of Young Believers im Klub Rolig in der Ideal Bar. Und seitdem nur noch Stille: Keine Konzerte, keine neuen Aufnahmen, weder die Homepage noch der Myspace wurden aktualisiert, auf EP-Bestellungen wurde nicht reagiert und irgendwann konnten die Songs auf Myspace nicht mal mehr abgespielt werden. Ich dachte, Il Tempo Gigante hätte denselben Weg wie so viele andere Bands eingeschlagen und ganz einfach das Zeitliche gesegnet.

Foto aus alten, großen Tagen: April 2008 im Vega (Foto: André)

Irgendwann traf ich dann Jakob Falgren, der unter anderem auch Bassist von ITG war/ist und erzählte, dass die Band wahrscheinlich noch bestand habe.

An einem Dienstag im Februar ist es dann soweit. Ich droppe meine Radioshow und fahre raus zur Stubnitz, dem alten Fischtrawler aus Rostock, der zurzeit in KBH ankert; hier soll Rolf Hansen heute zusammen mit Jeppe Cornelius (Won´t Lovers Revolt Now) im Klub Kristian auftreten.

Kristian Harting, Namensgeber und Arrangeur des Clubs, beginnt mit Gedichtvertonungen. Nett und ruhig, wie es hier immer zugeht. Es sind vielleicht 30 Leute anwesend, wie viel davon zur Stubnitzcrew gehören, ist nicht auszumachen. Jeppe Cornelius´ Set ist kurz und abwechslungsreich und irgendwann betritt Rolf Hansen die Szene. Er sieht ein wenig abgemagert aus, doch sein Bart steht in voller Pracht, das Haar ist etwas länger, er sichtlich nervös; gibt das auch nach dem ersten Lied zu. Er ist lange nicht mehr vor einem Publikum aufgetreten, fummelt an der elektrischen Gitarre, am Verstärker: „Ich kenn ihn nicht, wir haben noch keine Freundschaft geschlossen.“ Aber das wird noch. Nach dem dritten Lied ruft jemand „Jeah!“ und der schüchterne Sänger quittiert das mit einem Lächeln: „Und schon bin ich nicht mehr ganz so nervös.“

Der Rest des Abends ist in die Zukunft gerichtete Nostalgie…

Rolf Hansen 2008: Auf der Suche nach der großen Zeit.


Einige Tage später, am 11.3., steht dann auch schon das nächste Konzert im Huset ved Kongens Have an. Michael Rexen von A Key Is A Key lädt zur ersten Ausgabe seines neuen Musikclubs ein. Sie selbst lassen es sich natürlich nicht nehmen, heute aufzutreten, aber Rolf Hansen darf den Abend eröffnen.

Im Gegensatz zur Stubnitz scheint er heute schon fast selbstbewusst und es gibt auch keinen einzigen Grund, warum er an sich und seiner Musik zweifeln sollte. Gerade von Speed of Sound gesignt, wird das Longplayer-Debut wahrscheinlich noch diesen Frühling erscheinen.

Er spielt neue Nummern wie Level Up und Lost Something Good, was wohl der Titeltrack der Platte werden wird, und alte wie Under Your Skirt. Und vor dem letzten Lied wirft Rexen die berechtigte Frage in den Raum, ob jetzt der Hit komme. Ja, er kommt: Your Father & I ist eine der wohlklingendsten Nummern, die die Kopenhagener Musikszenen in den letzten Jahren veröffentlicht hat und sollte sich dieser Track nicht auf der LP wiederfinden, stell ich ihn hier mal vorbeugend rein – Die EP, die vor Jahren veröffentlicht wurde, scheint wohl endgültig vergriffen zu sein.

Willkommen zurück, willkommen in der neuen, großen Zeit. Es werden hoffentlich noch viele Kapitel.




Il Tempo Gigante: Your Father & I




Interview mit Rolf Hansen (Il Tempo Gigante) und Jeppe Cornelius (Won´t Lovers Revolt Now) vom Stubnitzkonzert am 23.2.2010. Erstmals gesendet am 2.3.2010 auf XFM, Se Tschörmans. Von Jan Christoph Hajek. Schnitt und Zusammenstellung: Jan Hinnerk Petersen und Jan Christoph Hajek.

Die Überschrift stammt von Cody, die dieses Jahr allgegenwärtig waren. Obwohl es schon zu erahnen war, dass da etwas Großes heranwächst, war es doch nicht zu wissen, dass es so schnell gehen würde, als mir Kasper Kaae im Februar während eines Pete Molinari Konzerts seine EP mit den Worten „Ich hab da übrigens auch eine Band“ in die Hand drückte. Doch habe ich hier schon genügend über Cody berichtet und möchte mich heute dem dänischen Musikjahr 2009 fernab von X-Factor und dem Formatradio widmen. Willkommen zum ersten Jahresrückblick auf Four Sheets To The Wind in Copenhagen.

Kasper Kaae von Cody


Das beste Konzert einer dänischen Band, das ich dieses Jahr besucht habe (Das Roskilde Festival möchte ich an dieser Stelle etwas beiseite schieben), war ganz klar A Key Is A Key am 2.10 im Huset – wahrscheinlich auch, weil es eine Band war, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht auf dem Radar hatte. Ich hoffe, dass Michael und Nico demnächst ins Studio ziehen werden. Es wird spannend, ob sie ihren besonderen Sound auf Platte gepresst bekommen.

Das Konzert, das mich am meisten enttäuscht hat, war wohl leider Sinner/Sunrider am 29.10 im Rust – nachdem ich sie schon einige male live sehen wollte und immer verhindert war, kam zu einem miesen Sound und lustlos vorgetragenen Liedern noch die widerliche Atmosphäre im Rust hinzu, welches ich im neuen Jahr wohl weitreichend umgehen werde.

Für mich gibt es zwei Platten – die im Frühling veröffentlicht wurden und deshalb hier noch nicht aufgetaucht sind – die das Zeug zur Platte des Jahres hätten: Offshore von The Foreign Resort und Happitalism von Attrap. Wärend The Foreign Resort eher im Ausland für Furore sorgen, haben Attrap sich noch vor Veröffentlichung ihres Debuts aufgelöst. Beide Platten möchte ich hier noch mal besprechen.


Der Prophet im eigenen Land…
The Foreign Resort: Offshore (Flat Ape Musik/Smukstøj;), VÖ: 20.02.09

The Cure klopfen an die Tür des dunklen, hypnotischen Debuts der vier Dänen. Es erinnert an Joy Division und Sonic Youth, klingt aber trotzdem neu und frisch und ganz eigen.

Die Band um Mikkel Borbjerg Jakobsen existiert seit drei Jahren. Nach vielen Konzerten in Dänemark, Deutschland und zwei Konzerten in den USA veröffentlichten sie im Februar 2009 ihr Debut in Zusammenarbeit mit dem kleinen Plattenladen Smukstøj;, der ein Steinwurf entfernt von meiner Wohnung auf der Vesterbrogade liegt.

Offshore öffnet mit The Starlit Sea, einem 20 Sekunden langen Gitarrenfeedback, dann setzt ein trockener beat ein, der mich an The Clash erinnert, eine zweite Gitarre und der Bass: „I’m out here alone / feeling homesick / Please rescue me // cause I have been drifting around / Aimlessly on the starlit sea / Please reach out for me / I need solid ground under my feet“

Die Texte sind eskapistisch, handeln von der Flucht, davon, wo anders anzukommen: „A Paradise in my head / What is the illusion for? / Show me the way to the sunshine / Show me the way to the foreign resort“ (Into The Sunshine), hier sind die desperaten Vocals unterlegt mit einer monotone Keyboardfläche. In Toward The Dusk gibt es Bläser zu hören, doch das Subjekt der Texte verbleibt herbstlich depressiv: „Will I make it / Before the leaves struck to the ground? / And everything turns into sadness? /…/ I’ll be driving towards the dusk. “

Im Radio kommt The Foreign Resort nicht vor. Seit dem Debut haben sie nur vier Konzerte in Dänemark gespielt, dafür mehrere in Deutschland und eine größere Tour in den USA und jetzt im Januar steht eine Tour durch Italien an. Desweiteren wurde Offshore in Italien, USA und demnächst wohl in Deutschland veröffentlicht – was wenige dänische Bands von sich behaupten können. Doch der Prophet im eigenen Land scheint nicht gehört zu werden.

Im Frühling gehen The Foreign Resort wieder ins Studio, um einen Nachfolger aufzunehmen. Ab und an, denke ich, könnten die Jungs etwas melodiöser werden, abwechslungsreicher, da die neun Songs mit der Zeit doch arg monoton werden. Aber es ist eine gute Platte für lange, dunkle, verkaterte Autofahrten und für die Lichter der Stadt, für den viel zu frühen, kalten Morgen, für die Kopfhörer und die Isolation.

„I need silence / I need walls“ (Relax (It’s Only Love))

The Foreign Resort Myspace


I want to share this sonic explosion with you / And perhaps a bottle of wine
Attrap: Happitalim (Good Tape Records), VÖ: 27.04.2009

“Put your trust into the folksingers”, singen Attrap. Und das habe ich getan, während diese Band mit ihrem Debut den nassen dänischen Sommer in einen langen Sonnenscheintag verwandelten.

Es ist schwierig, die Essenz dieser Platte in einige wenige Sätze zu fassen. Es gibt viel zu wenige Worte, um ein so großes und reiches Universum zu beschreiben, ein Universum, das mit Boygirl beginnt, nicht Big, aber Bang: „You and I can stop the time”. Irgendwie sehr naiv und da kommen ihre Handclaps – Auf dieser Platte gibt es kein Schlagzeug – und das Lied endet da, wo alles vor millionen von Jahren begann: In einem Sumpf; hört euch nur die brünstigen Frösche an.

Und das Universum dehnt sich aus, wächst heran zu einer wunderschön melancholischen, verwachsenen Urwaldwelt. Wir sitzen zusammen mit diesen Indiefolkgauklern von Attrap rund ums Lagerfeuer am einsamen Strand des Urmeeres Tythes und feiern den „giggling, juggling citycircus”, während sie uns von den guten, alten Zeiten erzählen: „There was a drift in the early 19. Century in the summer I grow up /… / It was a hazy dream / The sound of apples in Subscandinavien gardens” (The Good Times). Ja, das waren sie, die guten Zeiten, oder etwa doch nicht?

Hin und wieder, wie zum Beispiel in Warsong, klingen die vier Dänen etwas zu sehr nach versnobten und verwöhnten Kindern der New Yorker Modelelite, aber „You have been dreaming of the USA for far too long now” (USA), während sie in Wirklichkeit doch nur von weißer Weihnachten in Skandinavien träumen.

Sie beschließen Happitalism Big, aber ohne Bang mit Blowaway: „If I open this window / please don’t blow away / … / No, I never ever dare anything anymore / if you blow away / If you let go with me”.

Es ist eine Schande, dass die Band sich noch vor Veröffentlichung ihres Debuts auflöste, doch haben sie inzwischen neue Bands gefunden. Während Frontmann Jonas Petersen unter dem Namen Hymns from Nineveh etwas zu christlich geratenen Folk spielt und gerade eine Weihnachts-EP auf Good Tape Records veröffentlicht hat (Debut folgt 2010), machen Gertrud Hjelm Kongshøj und Johan Ask Nielsen weiter in der Band With No Arms And Legs, die – leider noch ohne Plattenvertrag – das Attrap-Erbe verwaltet.

Attrap Myspace
With No Arms And Legs Myspace
Hymns from Nineveh Myspace


Wenn jetzt also meine dänischen Platten des Jahres bestimmt sind, könnte ein Ausblick auf das neue Jahr angebracht sein. Men Among Animlas werden wahrscheinlich im März den Nachfolger zu Bad Time, All Gone veröffentlichen, der Run Ego, Run heißen wird. Gespannt warte ich auch auf ein Lebenszeichen von Il Tempo Gigante und besonders Ebird, die der dänische Musiklandschaft einen gewaltigen Tritt verpassen könnten.

Andreas Stonor (3.v.l) ist nicht mehr dabei, doch warten wir auf ein Lebenszeichen: Ebird.

In der etablierten Welt strebt DR in Zusammenarbeit mit den dänischen Studentenradios die Etablierung eines neuen Radiokanals an, der die Zukunft der musikalischen Gegenkultur bestimmen könnte – Im Guten wie im Schlechten – Dazu mehr an dieser Stelle, sobald es aktuell wird.

Und zum Schluss noch etwas zu diesem Blog. Ich habe ihn im September 2009, motiviert durch Helle Gabler (vielen lieben Dank), ins Leben gerufen, um den Überblick zu behalten, über die Konzerte, die ich gesehen habe (Es waren dieses Jahr, exklusive Roskilde, wohl um die 60), und um etwas anderes als immer nur akademische Aufgaben zu schreiben. Inzwischen gibt es 5-6 Klicks pro Tag. Die meisten, nämlich 60, gab es am 27. Oktober. Vieleicht auch auf Grund dieses Artikels, nein, ganz bestimmt sogar, obwohl mein Kommentar auf der dazugehörigen Internetseite vorübergehend gelöscht wurde. Auch einige Bands verlinken meine Artikel – obwohl des Deutschen nicht wirklich mächtig – auf ihrer Facebookseite (Anders Thrane, Caspian & The Good Times), danke dafür.

Bleibt noch zu erwähnen, was Obama als Schlagwort brachte. Für kurze Zeit war Four Sheets To The Wind In Copenhagen mit dem Prädikat “exzellentes Blog” ausgestattet. Da freut man sich doch sehr. Nur weiß wohl leider niemand, was genau das heißt, oder wie man diese Auszeichnung erreicht. Aber was solls? Immerhin habe ich so gelernt, dass Blog wohl ein Neutrum ist und also „Das Blog“ heißt (Ich werde wohl weiterhin den maskulinen Artikel bevorzugen)!

Ich wünsche allen da draußen ein frohes neues Jahr und viel Spaß mit neuer Musik aus Dänemark und Skandinavien.

Jan Christoph Hajek

Some Speak Of The Future: Some Speak Of The Future (Eigen Vertrieb), VÖ: 16/11/2009

Obama ist weg. Mitarbeiter von Coca-Cola, Simens und SAP suchen in den Trümmern von Hopenhagen nach Versatzstücken für neue Weltrettungs-Projekte (Vielleicht wird unser Elektroabfall ja schon bald hier entsorgt und nicht mehr in Ghana von 8-jährigen verbrannt?), ein Polizeistaat wurde erfolgreich in Europas Norden etabliert und ich hab endlich wieder Zeit, etwas anständiges zu schreiben.

Kopenhagen in Flammen... vor 200 Jahren

Vor einiger Zeit war ich zu einem A Key Is A Key-Konzert im Børneteateret, organisiert von Songwriters@heart, ein Klub, der jeden letzten Samstag im Monat stattfindet. Als erste Band des abends spielten Some Speak Of The Future. Ich muss sagen, dass die 3-4 Lieder, die ich gehört habe, mich nicht wirklich vom Hocker gehauen haben. Trotzdem habe ich mir ihre selbstbetitelte Debutplatte gekauft; mit 70 Kronen kann man ja eigentlich nicht viel falsch machen und nebenbei unterstützt man seine lokalen Bands.

Und nein, ganz falsch war es wirklich nicht. Some Speak Of The Furture ist ein Duo, bestehend aus Astrid Myrup und Lauritz Carlsen. 8 Lieder, 31 Minuten. Das ganze fängt an mit As It Seams, mit einem Saxophon, a la Dick Perry, sehr cheasy, aber schön und auch Stimmungsmäßig sind wir irgendwo bei Pink Floyd. Slideguitar im Hintergrund mit Banjo, Klavier, Cello, Astrid Myrups Stimme im Vordergrund, Lauritz Carlsen mit der zweiten stimme.

Das ganze klingt sehr schwebend, wirkt fast zerbrechlich, ab und an wird es zu schwer und könnte scheppernd auf dem Boden zerbersten, um dann doch, kurz vor dem Aufprall, wieder aufgefangen zu werden. Sneaker Pimps schleichen sich bei Zeiten ein, nur um wieder zu verschwinden und einem radiofreundlichen Sound Platz zu machen.

“Then nothing ends quite / Nothing ends quite as you might think / Except for a kiss, that burns” (As It Seams)

Nun ist diese Platte vielleicht nicht wie ein Kuss, eher wie zu viele Küsse von zu vielen Mädchen an einem einzigen Abend. Und es ist schwer, sich überhaupt an die Namen der Mädchen, pardon: Lieder, zu erinnern.

Ich habe diese Platte jetzt wohl drei Mal gehört und noch immer habe ich Probleme, mich an den Mittelteil zu erinnern. Alles geht in einander über – und nicht auf die gute Pink Floyd-Art. Und, ja, einige mögen über die Zukunft reden. Astrid Myrup und Lauritz Carlsen nicht. Das ganze wird sehr bekannt, nicht besonders erneuernd, oder nach vorne gerichtet.

“Set out, set out for a plesant evening”, singt Lauritz Carlsen in Bend In Two, welcher der einzige Song ist, wo er die Leadvocals übernimmt.

Doch 70 Kronen waren eine gute Investition. Ein nette Abend (Also mit der Platte jetzt, nicht der, wo ich mit den vielen Mädchen geküsst habe…)

Some Speak Of The Future Myspace

A key Is A Key, Let Me Play Your Guitar, The October Country im Huset i Magstræde, 3.10.2009

Wie singen die Counting Crows noch? „We spent all day getting sober / Just hiding from daylight / Watching TV / We just look a lot better in the blue light / Well you know I gotta get out”. Man fange an mit Iron Man, dann Indiana Jones IV, zwischendurch Bundesliga und wenn man dann irgendwann abends bei The Dark Knight angekommen ist, dann sollte man sich glücklich schätzen, einen Freund zu haben, der sagt, dass es reicht und man sich ein Konzert anschauen sollte.

Gegen zehn Uhr und gerade rechtzeitig und mit einem Bier in der Hand gibt’s noch einen freien Tisch. Das ist hier selten und an diesem Abend genau richtig. Hinnerk, mein Radiokollege, ist noch nicht da, als die erste Band, drei Jungs mit Akustikklampfe, elektrischer Gitarre und Kontrabass, die Bühne betreten. Die warme stimme des Sängers – Esben Hansen, wie ich später rausfinden sollte – singt unglaubliche melancholische Texte, die das versoffene Gehirn einlullen: „Out on the streets / Sometimes I walk / Trying to find my home / After another night out“ und während des zweiten Liedes kommt dann auch Hinnerk. Die kurze Ansage, dass jetzt das letzte Lied kommt, und danke: „I found God in a sewer / Nowhere else to been seen“. Sie lassen uns ein weniger ratlos zurück, waren das A Key Is A Key, die wir bisher noch nicht kannten?

Immerhin hat Hinnerk eine Liste über 11 Konzerte gemacht, die wir in den nächsten zwei Monaten sehen sollen. Ein guter Freund!

Wir gehen umher, fragen, niemand weiß, wie die erste Band hieß.

Ich: Ein Bier, bitte. Kannst du mir sagen, was das gerade für eine Band war?

Tresenkraft: Die Vorgruppe.

Ich: Aha, danke.

Let Me Play Your Guitar (Foto: Kristian Sæderup)

Let Me Play Your Guitar (Foto: Kristian Sæderup)

Einige Zigaretten und fast eine Stunde später kommen Let Me Play Your Guitar auf die Bühne und vielleicht ist es meine Abneigung gegen zu viel Gel in den Haaren, vielleicht weil ich nicht mag, wenn man sein Hemd in die Jeans steckt, aber es ist eine eher langweilige Angelegenheit. Folk, Rock, eine Prise Beach Boys und Kings Of Convenience-Anspielungen, was auf ihrer Myspace-Seite wirklich ganz angenehm klingt (etwa das Lied Hero In Your Bed), heute aber hauptsächlich Gähnen verursacht. 9 Lieder später und etwas enttäuscht finden wir Zeit und die Jungs von der Vorband. Sie heißen The October Country und demnächst werden wir wohl ein Interview für XFM machen, dazu dann mehr.

Etwas unsicher nach der Band gerade eben, gehen wir zurück an unseren Tisch. Als die fünf Musiker von A Key Is A Key die Bühne einnehmen, wischen sie unsere Unsicherheit mit einem Mal weg. Ein 2-Meter-Schlacks mit Kraushaar (Nico Love), gerade 20 Jahre alt geworden, mit einer versoffenen Whiskystimme, wie man sie sonst nur von Tom Waits kennt; ein etwas übergewichtiger vielleicht 1,70 großer Ska-Mann (Michael Love Rexen), mit eine pipsigen Stimme, ein rumspringendes Energiebündel; dazu ein schwarzes Mädchen (Louisa Love Yaa Aisin), in bunte Kleider und Tücher gehüllt, an diesem Abend hauptsächlich für die Baggroundstimme und für das sinnliche tanzen und hin und wieder das gelangweilte rumhängen zuständig. Dazu Birk Abenth Nielsen am Kontrabass und Cyron Melville an den Drums, die auch bei Let Me Play Your Guitar dabei sind, aber in diesem Ensemble nur Nebenrollen spielen.

Am Besten sind sie, wenn alle drei gemeinsam die Leadvocals übernehmen, unmöglich in Worte zu fassen! Und ich werde es hier verdammt nochmal nicht versuchen! Höhepunkt war für alle, als Nico sich an das Klavier setzt und allein „für meinen besten Freund“ spielt, wobei dieser Riese mit der gewaltigen Stimme auf den kleinen, dicken Ska-Mann zeigt.

Von allen Bands, die ich dieses Jahr gesehen habe, definitiv die interessanteste Livecomo, welche wohl niemals wirklich auf Platte gezwängt und gebendigt werden kann…

Myspace The October Country
Myspace Let Me Play Your Guitar
Myspace A Key Is A Key

I once met a woman / she said to me your energy is quite mix-up at this moment / At this moment? I said in a quit confident tone / Just as I said this words the womans face turned into a great confusion / Before she was able to say anything I said to her / To reach the top of the top or to go to the bottom of the bottom / Is not by wearing a mask in any situation / So put your mask away and join me to fly like fairys (Michael Love Rexen/A key Is A Key)