Mit ‘3rd Tsunami’ getaggte Artikel

5 Tage – 14 Bands. Das war der Plan.

Die Kopenhagener Konzertsaison wird hier auf Four Sheets gekickstartet und das gleich mit einem kleineren persönlichen Stadtfestival. 5 Tage, 4 Venues, 14 Bands und alle entweder gratis oder zu einem Spotpreis. Vielleicht habe ich mir etwas viel zugemutet, aber das weiß man ja auch immer erst später. Aus Erfahrung lernt man aber ja bekanntlich und deshalb gibt es jetzt diesen Erfahrungsbericht.

Mittwoch, 23.02.
The Enfant & The Quiet + Celinder + Never Gonna Be Like Sandra @ Huset i Magstræde. 30,- Kr

Jeden Mittwoch spielen drei upcomming Bands auf Huset für gerade mal 30,- Kronen. Das Publikum an diesen Abenden besteht hauptsächlich aus Freunden und Bekannten der Bands, die hier auftreten. So auch heute. The Enfant & The Quiet haben am 28. Januar ihre erste EP auf dem kleinen aber respektierten Lable GO’ Danish Folk Music veröffentlicht. „Diamond Eyes & Silver Sound“ ist eine stille, ruhige und melancholische Angelegenheit und so auch dieses Konzert. Sänger William Kudahl Sørensen leitet trotz seiner Jugend souverän durch das Set. Allerdings wirkt es ab und an etwas einschläfernd und auch der Drummer droht öfters, hinter dem Schlagzeug wegzunicken. Das alles ist zu hause auf dem Plattenteller doch etwas anderes. Nur zu dem älteren Nightmares And You, das „etwas wilder ist“ wachen er und das Publikum auf und auch das Cash-Cover Take This Hammer (das wohl eigentlich schon 100 Jahre auf dem Buckel hat) zeigt, dass dieses Jungs eine Zukunft haben könnten.

Wir sind gerade draußen und machen ein Interview mit Enfant, als Celinder die Bühne betreten. Die sind irgendwie funky und irgendwie ein bischen wie Sting und irgendwie auch nicht weiter erwähnenswert.

Never Gonna Be Like Sandra haben einen klasse Namen. Das ganze ist surfpoppig und ganz nett, ohne aber vom Hocker zu reißen. Trotzdem ist Seashore & Living Legends auf ihrer Myspace durchaus hörenswert und lustig – „noch ein Lied über Liebe“.

Donnerstag, 24.02.
Monkey Cup Dress + Death Valley Sleepers @ Idela Bar. Gratis Eintritt

Die beiden wunderbaren Mädchen von Monkey Cup Dress haben bereits ein beeindruckendes musikalisches CV und im Spätsommer soll dann endlich das Debüt auf einem kleinen spanischen Label erscheinen. Line Felding spielt Ukulele und – wie auch bei CODY – Cello, während Sidse Holte hauptsächlich Gitarre und dieses kleine Daumenklavier namens Kalimba spielt.

Zusammen schaffen sie einen minimalistischen – mal herzzerreißenden, mal -erwährmenden – Pop, ohne den ich nie wieder leben möchte. 45 Minuten lang verzaubern sie eine Location, die normalerweise von friday fashion show Teenagern bevölkert wird.

Death Vally Sleepers sind sechs Leute von denen vier aussehen, als wären sie die unehelichen Kinder von Boy George. Die Mucke klingt ein wenig wie die Smashing Pumpkins und das einzige, was ich interessant finde, ist das Gesicht des Drummers, das im Laufe eines Liedes das komplette menschliche Gefühlsregister zeigt. Ein netter zweiter Abend.

PS: CODY ist wohl bald mit neuem Material am Start.

Freitag, 25.02.
Leap Over Light + Slyngelstaten + Tetris=Therapy @ Huset i Magstræde. 30,- Kr

Catching Paper Planes ist eine relativ neue Managment- und Bookingagentur, die unter Anderem auch The Foreign Resort zu ihren Klienten zählen darf. Heute abend veranstalten sie zum ersten Mal Catching Paper Planes Presents!, das als Entwicklungshilfe für junge Band gedacht wird. Das Publikum bekommt anfangs Bewertungszettel für jede Band in die Hand gedrückt und eine Jury soll später (und intern) konstruktive Kritik geben. Einer von ihnen erzählt mir später, dass das Niveau seiner Meinung nach nicht besonders hoch war.

Die der Bands heute Abend sind aus über 70 Bewerbungen ausgewählt. Den Anfang machen Leap Over Light, die ihr erstes Konzert überhaupt spielen. Lennart Rasmussen ist ein verteufelt guter Gitarrist und streut im Gegensatz zu den Studioaufnahmen gezielt Soli ein. Julie Aagaard singt, spielt Piano und ist am Laptop für die Beats und Hintergrundgeräusche zuständig, wirkt damit nicht gerade überfordert, aber doch so konzentriert, dass sie nicht viel Zeit hat, sich zum Publikum zu verhalten. In Zukunft würden mehr Mitmusiker dem Duo gut zu Gesicht stehen; was wohl auch in Planung ist.

Slyngelstaten singen auf Dänisch, singen laut auf Dänisch, sehr laut. Sie haben ihren eigenen Tonmann mit und der hat bis zum Anschlag aufgedreht, dass es schwer auszuhalten ist. Sie sehen aus, als hätten sie Spaß wie auch die Menschen, die für lauten pathetischen Rock gemacht sind. Wir sind eher für gute Coctails nebenan im Cafe Katz gemacht und gehen kurz einen trinken.

Als wir wiederkommen spielen Tetris=Therapy. Das ist elektronischer Shoegaze und einzelne Elemente wirken beeindruckend, doch funktionieren sie nicht ganz im Zusammenspiel. Insgesamt ein sehr vergnüglicher Abend, werde die beiden zweiten Bands aber wohl nie wieder sehen.

Samstag, 26.02.
Alcoholic Faith Mission + Among Relatives + Deer Bear + Gustav Foss @ Lille Vega. 70,- Kr

Der vorletzte Tag meines kleinen Kopenhagen Festivals. Eigentlich hätte Einlass um 20 Uhr sein sollen; ich sehe dann aber – als ich um halb zehn vor der Tür steh – dass die Leute schon um 7 aufgemacht haben. So verpasse ich nicht nur Gustav Foss, was geplant war, sondern leider auch Deer Bear, von denen ich nur noch das letzte Lied sehe.

Lille Vega ist gut gefüllt. Wahrscheinlich weil die sehr freigiebig mit Karten um sich geschmissen haben. Selbst ich stehe hier +3 auf der Liste und ich kenne den Veranstalter 3rd Tsunami nur peripher. Um 21:45 kommen Among Relatives und Leute kreischen und es gibt die ganz großen Rockbewegungen: Faust in die Luft, breitbeiniges Gitarrengejaule, der Leadsänger heißt Jimmy. Irgendwann gibt’s das Prostspiel. Irgendwann gibt’s immer das Prostspiel.

Vor einem Jahr haben sie ihr Debüt „This Room“ rausgegeben, was mir wirklich etwas zu sehr in den ’90ern verwurzelt ist. Aber ein sehr gute, gehetzter Gesang.

Wenn mich nicht alles täuscht, haben Alcoholic Faith Mission drei reguläre Alben herausgegeben (aber irgendwelche Doppelalben aus Japan gibt’s wohl auch) und vor einigen Tagen gab es die von den Kritikkern gelobte EP „And The Running With Insanity“. Gerade wurden sie fürs texanische SXSW bestätigt und ab 22:30 zeigen sie auch warum, fangen an mit Escapism vom 2009-Werk „421 Wythe Avenue“: „I’m old enough to fall apart.“ Und wie recht sie haben und ihr Name ist Programm. Posaune, Chorgesang, Percussion und Elektrosamples. Der Höhepunkt dieser fünf Tage. Und ich merke, ich werde alt, als ich um zwölf Uhr durch die skandinavische Kälte nach Hause trotte.

Sonntag, 27.02.
Marie-Louise Munk + mOOnbird @ Kaffeebaren på Amager. Gratis Eintritt

Wie haben Alcoholic Faith Mission gestern zum Abschluss gesungen? Entweder „It’s over now“ oder „It’s time to sober up“, ich hab’s nicht ganz verstehen können. Einerlei, denn beides trifft zu an diesem fünften und letzten Tag. Das aarhusianische Musikmagazin Geiger findet, dass es nicht genug Konzerter auf Amager gibt und wollen das an jedem letzten Sonntag im Monat ändern. Zur ersten Ausgabe gibt es um 16 Uhr Marie-Louise Munck und m00nbird. Erstgenannte eröffnet den Nachmittag. Vor einem Jahr habe ich in der Plattenreview zu „The Birds Fly Up“ gesagt, sie sein mal wie Beth Gibbons und dann eher wieder wie Dido. Heute ist sie nur Beth Gibbons, singt zerbrechlich und überirdisch. Besonders Rose Is My Name, das wohl auf eine neue Platte kommt, und All The Time In The World bringen die knapp 30 Leute dazu, ihren Gedanken nachzuhängen.

Und mOOnbird weckt sie dann alle wieder auf. Im Hintergrund gibt’s eine Videoperformance, Jonatan Bengta ist wie immer als Vogel mit Phantasieuniform verkleidet und hüpft und springt hinter seinem Keyboard und seinen Elektrodrums, singt und loopt sich selbst. Obwohl er Texte hat, klingen sie doch eher wie Geräusche, sind keine menschliche Stimme mehr. Alle klingt mal wie Regentanz, mal nach Urwald. Darauf dann doch noch 1 letztes Bier und müde nach Hause.

5 Tage, 14 Bands. Es war schön, aber jetzt reicht’s!