Sprung übers Licht

Posted: 06/06/2011 in Plattenkritik
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Leap Over Light: Wild Oak (Eigen Vertrieb), VÖ: 06.06.2011 Wild Oak - Leap Over Light

Im Januar waren Julie Aagaard und Lennart Rasmussen zu Gast bei uns im Radio. Im April wurden sie von der rennomierten Musikzeitschrift Gaffa zur Demo des Monats gewählt und nun erscheint ihre erste EP „Wild Oak“.

Die erste Nummer, Thousand Lies, beginnt schnell und unerwartet: „You’re such a good girl / You’re gonna go far / Always do your homework / Always work so hard / Always say thank you / And finish your plate / In bed by ten up at work at eight”, alles serviert auf einem hektischen Electrobeat, der in einem schwebenden Chorus mündet: „Wash me Down / I am dirty / I smell like / A thousand Lies” – sind alles nur Lügen?

Die drei folgenden Nummern sind langsamer, eine Klarinette spielt etwas wild und unbändig, ein trauriges Cello taucht auf und verschwindet wieder aus einem Klanguniversum, das mal dreckig, mal verführerisch schön klingt. Lennart Rasmussens Gitarre sorgt für die melancholische Grundstimmung. Julie Aagaards Stimme schwebt über dem Ganzen, betrachtet die Welt von oben.

Leap Over Lights zweites Lied, We Hang A Lot, berichtet von den endlosen Zweifeln, die Liebe mit sich bringen kann, wie sie schmerzt und heilen kann: „The cruelest things you say come out like music – you sound / Like a rusty, old, weathered, cynical buffoon / I forgive your lack of faith”. Howl At The Sun, den Leap Over Light im Februar bei uns im Radio gespielt haben, ist eine Abrechnung mit dem Hedonismus einer egoistischen Jugend, die nichts mehr sieht, nichts mehr kann, alles will und nichts erreicht. Sie betet eine Sonne an, die für alle Ewigkeit herabscheinen wird, die erbarmungslos zuschaut, was wir hier unten mit unserem belanglos kurzem Leben treiben: „Stare into the light / Till it burns holes in your souls / Sunstroke and /Drunk and cold /We fake our way / Through self-indulgent charity / We look good / Before we´re old“ – ein Lied mit dem potential, es auch in das dänische Formatradio zu schaffen.

Jugendblüte Ungeduld, doch viel zu schnell werden wir erwachsen, ohne uns zu kümmern, ohne zurück zu blicken. Das Alter kommt. Und mit dem Alter der körperliche Verfall. „A rough and weathered wild oak / Toughened by the times / Weakened by a heartache / […] / A weak and battered tree stump / An excuse for himself”, besingt Julie Aagaard im letzeten, für diese EP namensgebenden, Lied das Unabwendbare. Die Gitarre lässt die Gefahr, dass wir nichts aus unserer wenigen Zeit machen, erahnen, ein Cello beweint unseren Stumpfsinn.

„Wild Oak” könnte der Anfang einer kleinen dänischen Indie-Karriere sein und vielleicht sogar der Anfang von etwas ganz, ganz Großem. Sie sollten nicht zu lange mit dem Longplayer warten.

We Hang A Lot

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