E Bird: Lake of No Land (TrophyHorseRecords/VME), VÖ: 26.04.2011 
Ob im Sonnenschein, ob im Regen. Ein Dosenbier auf einer Parkbank, oder eine letzte Zigarette auf dem Weg durch die Nacht nach Hause. Die kleinen verworrenen Straßen in der Sommerhitze, die menschenleeren Boulevards irgendwann viel zu spät in der Nacht oder zu früh am Morgen. E Bird veröffentlichen jetzt das LP-Debüt, auf das ich sehnsüchtig gewartet habe, seit die EP „Real Tigers Made Of Paper“ vor drei Jahren erschien.
Tue Ebert, der sich hinter E Bird versteckt, hat sich viel, viel Zeit mit dieser Platte gelassen. Viele Jahre sind seit der EP verstrichen, E Bird in der Versenkung verschwunden. Doch zum Herbst begann sich auf der Myspace-Seite, wieder etwas zu regen, und Konzerte wurden gespielt. Jetzt erscheint die Platte „Lake of No Land“ und sie ist, trotz kleiner Wermutstropfen, ein Meisterwerk. Tue Ebert singt nicht sauber und die Musik ist dreckig und kann einen in tiefe, tiefe Depressionen stürzen, doch einen gleichzeitig auch leicht wie eine Sommerbrise in die Lüfte heben.
As we turned all this useless words into useless melodies
Die schrammeligen Melodien erinnern mich… ja, eigentlich weiß ich nicht richtig, an was. Sie wechseln, sind mal still und leise, dann wieder pompös und episch. Die melancholischen Texte sind geschrieben für eine Generation, die verloren ist, verloren hat, die aufgegeben wurde; handeln von einer verwöhnten Jugend, die alles hatte, und jetzt mit müden Augen und leeren Händen dasteht. Tue Ebert fragt rhetorisch im ersten Lied We Will Raise: „Is nothing worth daying for / Really a reason to live?” Nein, ist es ganz sicher nicht! Und wir haben jetzt weder das Eine noch das Andere. Und während die Welt sich in Kriegen aufreibt, die Luft verschmutzt und alles verstrahlt ist, Revolutionen beginnen und vergessen werden, gibt es eigentlich nur noch eine Erkenntnis, die es wert ist, erwähnt zu werden: „Life isn’t sad / Nor tremendously great / Just peculiar and strange” (Towards The Sun).
Man soll die Welt sehen, wie sie ist, aber muss man sie so lassen? Dieses Leben mit all seinem Weltschmerz, dem Zynismus und den Zweifeln ist schließlich das einzige, was wir haben. Trotzdem warten wir darauf, dass es endlich beginnt, wenn wir in den überfüllten Hörsälen der Universität sitzen, am Schreibtisch im Büro, in der Metro, beim Abendbrot, vor dem Fernseher, im Bett liegen, um dann endlich mit einem großen Loch im Herzen in einen traumlosen Schlaf zu fallen. „If death waits below / Then life makes you laugh / With all it’s wonders and woes” (Dear Daughters).
All you’ll ever win is already lost
Leider fanden auch zwei neueingespielter Lieder von der EP – Empty Avenues und Everyone Here Is Without A Past – ihren Weg auf den Longplayer und besonders bei Everyone… vermisse ich die tiefen brummenden Drums, die obligatorisch sein sollten, wenn man ein Lied wie folgt beginnt: „My head feels like a Heavy Metal drummer“. Und das ist schon Grund genug, dass diese Platte nicht ganz mit dem Erstling mithalten kann. Was nicht heißen soll, dass „Lake of No Land“ schlecht ist – Ganz im Gegenteil: Sie ist Manifest über das Werden und das Vergehen, eine Beschreibung der Inkonstanz dieser Welt, mit der man sich rumschlägt, lehrt einen, alles erkämpfen zu wollen, doch gleichzeitig auch die Zeit in Kauf zu nehmen, die Veränderungen verlangen (Every Mountain Once Was An Ocean). Schlussendlich lehrt sie uns auch, das Unabwendbare zu akzeptieren: „It feels strange to know that nothing change / The day that we’re gone“ (Empty Avenues).
„Lake of No Land“ ist die Reise nach „einem Ort irgendwo am Horizont, den man suchen kann, aber nie erreichen wird“, erzählt Tue Ebert. Und diese Platte ist genau das: Die Suche nach etwas, das wir nie finden werden, die Sinnsuche in der Sinnlosigkeit. Eine Erinnerung daran, dass es etwas gibt, für das es sich zu kämpfen lohnt; einen Kampf, den wir bereits verloren haben, doch können wir dann sagen, dass wir es wenigstens versucht haben:
„And we’ll sing till we find the right melody / And sail the ships till we finally meet the sea / Cebrate our every last defeat / And we’ll rise until we finally meet the grave” (Everyone Here Is Without A Past).
