Großstadtblues des Modernen Menschen

Posted: 21/04/2011 in Plattenkritik
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Sothern Gothic Tales: Modern Man (Slowshark Records), VÖ: 04.04.2011 Southern Gothic Tales

Southern Gothic Tales haben mit „Modern Man“ eine kleine dänische Folkperle erschaffen. Während der Vorgänger „In Every Seaport Town“ hauptsächlich von Flucht und Bewegung handelt, ist Frontmann Anders H. Riis – wie es scheint – endlich angekommen. Und wenn es auch nur die verrauchten Bodegas der Großstadt sind.

„Es ist schwierig, so deprimierende Songs zu spielen, wenn man eigentlich so gut gelaunt ist“, hat Riis vor anderthalb Wochen zum Releasekonzert von „Modern Man“ gesagt. Und das sagt schon einiges über die neue Platte aus. Schon auf der dem Debüt huldigte er dem Alkohol und sinnlos durchzechten Nächten, begann im ersten Lied damit, dass er nirgendwo richtig reinpasse: „[...] the small town choir / They have never liked my voice / They say I have my own voice / […] I don’t want to sing in the choir, once again“ (Small Town Choir). Und das lyrische Ich zog aus, um die Welt zu sehen. Zufällige Bekanntschaften in jeder Hafenstadt (In Every Seaport Town) und weder gebrochene Knochen noch geschwollene Füße (Burned Out Elvis) konnten den „Lonly Rider“ (Love Navigator) vom Reisen abhalten: „I’ve got a tank full of Gasoline / […] / My trunk full of hopes and dreams“ (Loving Nighthawks). Und immer auf der Suche nach der großen Liebe.

Die Liebe sucht das Lyrische Ich auf „Modern Man“ noch immer, doch scheint er sesshaft geworden. Die Reisen finden fast nur noch im Kopf statt: „So I’ll tame my wild heart and suspend my relevations / As I practice the art of getting drunk with my friends / Then I slip into this world where everybody’s sailors / […] / Anyway, it’s just a bubble im my mind“ (Dark Days). Ein immer reich begossener Eskapismus begegnet uns schon im ersten Lied (Fuck Me Up With Word And Wine) und zieht sich wie ein roter Faden durch die 10 dunklen Lieder, die sich auf 45 Minuten Platz bekommen, um sich zu vollends zu entfalten. Ein roter Faden der sich durch die Dunkelheit der endlosen Nächte zieht, die Nächte dieser Stadt, in der jeder irgendwann ertrinken wird: „It’s every man for himself / A thousand souls in dark and lonly boats“ (Where Everybody Drowns).

Musikalisch hat Anders H. Riis seine Band erweitert. Moogie Jonhson ist fester Bestandteil am Bass geworden, es gastieren Freunde von Efterklang, CODY und Camilla Munck und er die ganze Klanglandschaft ist größer und ausufernder geworden. Die Produktion, besonders das Mastering von Jim DeMain (Kriss Kristoffersen, Andrew Bird), steuert das ihre dazu bei, dass sich „Modern Man“ von anderen dänischen Platten, die sich in etwa im gleichen Genre bewegen (wie z.B. The Enfant & The Quiet mit „Diamond Eyes & Silver Sound“), deutlich abhebt.

Und kann uns nun wirklich nur der Alkohol retten? Das Trinken vorm Ertrinken? Und wer ist schlussendlich dieser Moderne Mensch? Ist es Riis selbst oder sein Blick auf die betrunkenen Teenager, die zu hunderten, zu tausenden die Discount-Bars dieser Stadt bevölkern, eine Zukunft herbeisehnend, die schon längst versoffen wurde?

Man darf sich weiter wundern, zweifeln und weiter trinken. Das wichtigste ist wohl, immer in Bewegung zu bleiben – zumindest im Geist. Desweiteren ist es vielleicht wichtig, einen Plan B zu haben. Das Lyrische Ich auf „Modern Man“ hat einen solchen, wenn alles nicht mehr klappt, die Stadt zu klein scheint und alle Freunde zu besoffen.

„The City is closing up on me / I can’t find my peace of mind / […] / You can’t see a single star burn bright in the night“

Dann ist da der Plan B, den Riis uns im letzten Song, Human Cannonball, verrät. Der ist dann doch wieder abzuhauen, sich vielleicht einem Zirkus anzuschließen. Aber ob das für unseren Modernen Menschen gut gehen kann?

„But don’t you worry now / I have it all figured out / […] / I will get a job in a circus / As the human cannonball / They will shoot me out of the cannon but right into the wall“

Auf den Alkohol – Die Ursache und die Lösung aller Probleme!

– Simpson, Homer

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