CODY + Hymns from Nineveh, Nemoland, 18.07.2010
Und wieder überzeugen CODY und frontmann Kaspar Kaae mit einer makellosen Show, werden aber auch von mal zu mal langweiliger und berechenbarer. Ich warte auf neue Material
Viele warme Sommernächte wird es dieses Jahr nicht mehr geben; Kopenhagen hat sich dieses Mal ja auch nicht lumpen lassen. Mit dieser Gewissheit schleppe ich meinen noch immer müden Knochen an einem Sonntagabend nach Christiania zum ersten Post-Roskilde-Konzert 2010. Im Nemoland spielen umsonst und draußen die schon oft erwähnten CODY und die schon mal erwähnten Hymns from Nineveh.
Es ist voll, fast unerträglich voll, aber die Stimmung ist gut und der Himmel blau und die Vögel singen und was will man denn eigentlich mehr Mitte Juli? Die Hymns gehen um 7 auf die Bühne Jonas Petersen lässt sich von 3 Mitmusikern unterstützen und es gibt ein Sammelsurium an Instrumenten inklusive Säge, Akkordeon und Glockenspiel. Der Christenfolk, den der ex-Attrapsänger spielt, ist nicht mehr so langweilig und nichtssagend, wie noch vor einem Jahr, als ich ihn solo in einer Kirche hab spielen sehen, aber wirklich herausragend ist das alles nicht, finde ich und findet aber wohl das Publikum doch… oder ist es die gute Sommersonnenlaune?
Im Übrigen – und irgendwann muss man das ja mal sagen dürfen – hasse ich das zu-Prost-Spiel: Der Künstler nimmt ein Schluck Bier, schaut dann, als habe er etwas vergessen, ins Publikum und prostet ihm zu; das Publikum prostet zurück. Und das machen so gut, wie alle, so gut wie immer. Ich glaube, sie glauben, das sei Höflichkeit.
Eigentlich ist bei den Hymns alles zum Fest gedeckt, aber der göttliche Funken springt im Laufe der halben Stunde, die sie spielen, nicht wirklich über und ich verbleibe gespannt (wenigsten etwas) wartend auf die erste LP – zumindest die 15 Minuten bis CODY kommt.
Oh hab ich schon erzählt (also mir selbst und den zweihändevoll Lesern), dass die Kulisse für die Künstler großartig gewesen sein muss:
CODY ist wie immer großes Kino. Wie ein Wohnzimmer voller Sonnenschein. Ein perfektes und charmantes Konzert. Gitarrist David Fjelstrup trägt mit seiner Unfähigkeit, seine Gitarre neu zu bespannen, sie zu stimmen, oder seinen Verstärker zum Laufen zu bekommen zur Belustigung bei. Seine konstante Sonnenbrille verrät, dass wir auf Christiania sind.
Blowaway ist wundervoll, Another Year überwältigend. Als Zugabe, wie eigentlich immer, “Comfort and Rage”. Aber irgendwie wird es auch langweilig. Ein knappes Jahr nach der Debut-LP, fast 20 Monate nach der ersten EP, spielen CODY noch immer die gleichen Lieder; selbst die Setliste scheint berechenbar.
Also warte ich auf die neue LP – wohl länger als 15 Minuten.


