Efterklang: “Magic Chairs” (4AD/Rumraket), VÖ: 22.2.2010
Die dritte reguläre LP von Efterklang brauchte eine ganze Weile, um sich in meinem Kopf festzusetzen. Die langen und ausschweifenden Kompositionen der Vergangenheit sind auf “Magic Chairs” einem sehr viel stringenterem Songwriting gewichen.
Über fünf Wochen schlage ich mir jetzt schon diese Platte um die Ohren. Die Kritiker scheinen europaweit die gleiche positive Melodie zu summen: „And the modern drift is all I have“. Postmoderne Popmusik, Versatzstücke aus allen Ecken, The Modern Drift ein großer Opener für eine Platte, die fast live beim gemeinsamen Musizieren entstanden sein soll und nicht mehr in nerdiger Studiobastelarbeit zusammengesetzt wurde.
Mads Brauer, Thomas Husumer, Rasmus Stolberg und Sänger Casper Clausen sind noch immer der innerste Kern von Efterklang, doch scheinen auch die Ideen von besonders Peter und Heather Broderik Gehör gefunden zu haben. Die Platte ist meilenweit entfernt von den endlosen Verspieltheiten der beiden Vorgänger. Wenn die zweite Platte “Parades” ihr “Dark Side oft he Moon” gewesen sein soll, dann ist “Magic Chairs” ihr “Wish You Were Here”.
Casper Clausens Stimme ist weiter in den Vordergrund gemischt, ist nicht mehr nur ein weiteres Instrument im Kosmos des Sammelsuriums von Efterklang und man verspürt eine neue Sicherheit in seinen Vocals. Die Musik ist viel weniger ausufernd als ehedem und ist beinahe schon kurzen Popsingles gewichen. Und genau das ist vielleicht mein Problem. Noch immer kann man auf Erkundungsreise gehen, immer neue Aspekte finden, doch ist “Magic Chairs” nicht mehr der fantastische Hintergrundsoundtrack für späte Nachmittage wie etwa die Liveversion von “Parades”, die mit dem dänischen Kammerorchester eingespielt wurde.
Auf Modern Drift folgt Alike, das böse Sting-Assoziationen weckt, doch gleich darauf trumpft I Was Playing Drums mit einer so herzzerreisenden Melodie auf, wie man sie noch nie zuvor von den vier Dänen zu hören bekam.
Pastorale Chorharmonien, schwebende Streicher und schwere Gitarren, Keyboardflächen verstärken die Vokalmelodien, deren assoziative Wortgebilde wie in dem bedrohlich anmutenden Full Moon („We will cross that line and get away / To the hope that follows / For the dream that swears an oath on better days / Can you hear them calling / Can you hear them falling now“) lange im Kopf nachhallen: Magic Chairs ist ein beeindruckend träumerisches und bittersüßes Gesamtwerk, doch wird es wohl auch einige alteingesessene Fans von Efterklang abschrecken. Sollten sie ihren neuen Popappeal in Zukunft wieder mehr in ihre alten cineastischen Klanglandschaften einbetten, könnten sie eine der meistbeachteten Band des Kontinents werden.
Interview mit Sänger Casper Clausen (auf Dänisch) und Peter Broderick (auf Englisch) vom Releasefest im Global am 18.2.2010. Erstmals gesendet am 23.2.2010 auf XFM, Se Tschörmans. Von Jan Hinnerk Petersen und Jan Christoph Hajek. Schnitt und Zusammenstellung: Jan Hinnerk Petersen und Jan Christoph Hajek.
