Half A Step Into The Wildlife

Posted: 06/09/2009 in Plattenkritik
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Cody: Songs (Slow Shark Records), VÖ: 14.9.2009

codycover7

Der Début-Longplayer von der Band um Kasper Kaae zeugt von Reife und Souveränität – und hätte gerne etwas mutiger ausfallen können.

Hast du schon die Erinnerungen an diesen Sommer in deinem kleinen Büchlein verewigt? Hast du es versiegelt und ganz unten in die Schreibtischschublade gelegt, dort wo du es nie wieder hervorkramen wirst? Haben die letzten Regenwochen den Festivalstaub von deiner Haut gewaschen und wartest du nun darauf, dass die Tage kürzer und die Nächte kälter werden?

Streifst du jetzt wieder durch die Stadt der Könige, dort wo die Straßen von Friday Fashion Show Teenagern bevölkert werden, die auf der Suche nach Pharmazeutika, Sex, schlechter Musik und substantiellen Jugenderinnerungen sind? Erinnerungen, die irgendetwas bedeuten könnten?

Wirst du später heut Nacht wieder in demselben alten Nachtbus sitzen, ohne Karte und mit nichts weiter als einem Franskhotdog und enttäuschten Erwartungen im Bauch?

Ich hoffe, du hast wenigstens deinen iPod am Start.

Große Erwartungen

Nach ihrer im Januar veröffentlichten, von den dänischen Musikjournalisten in den höchsten Tönen gelobten EP, stehen Cody jetzt in den Startlöchern mit ihrem ersten Longplayer, ganz einfach Songs betitelt. Auf Konzerten in der Trinitatis und der Brorsons Kirche, im Huset på Magstræde, im Rust, in Brooklyn, NY und, vor nicht allzu langer Zeit, in Roskilde Festivals Junior Pavillion haben sie ihr neues Material der Öffentlichkeit präsentiert.

Folk, Anti-Folk, Country, Blues: Es gibt keine Genrebezeichnung, die noch nicht auf Cody gemünzt wurde, doch im Innersten ist es ganz einfach der Singer/Songwriter Kasper Kaae mit einer Gitarre, um den sich ein inzwischen 7-mannstarkes  Live-Orchester gescharrt hat.

Und endlich sitzt man mit diesem melancholischen Stück Musik in der Hand, von der man sich erwartet, dass sie einen durch die Depressionen des kommenden Winters leiten kann – nichts weniger als das.

Der erste Song, Remember When, fängt ganz zart an mit einer akustischen Gitarre, einer Mundharmonika und den Linien „I thought of you / The wintersky / The darkest blue“, bestimmt so den Ton für den Rest der Platte. Kurz darauf folgt mit Down In The Dark bereits der ersten Höhepunkt: „Lost my shoes in the mud/ Cold with bare feet I walk / Thinking I am out of place / In the fall through loneliness” – Roskilde-Erinnerungen, Kasper?

Es ist einfach sich in Kasper Kaaes fast fragmentarischen Texten wiederzufinden. Zwischen verharrendem Weltschmerz und eskapistischer Lebensbejahung, etwas zu müde, doch immer noch wach nach dem vielen Kaffee, den Zigaretten und immer zu betrunken oder zu nüchtern,  ohne je die richtige Balance zu finden: „I write `bout things I care about / Though they might seem wrong“

Nach dem etwas unzufrieden zurücklassenden Ever Go und dem wehmutigen I Want You, erreicht Kaaes Straßenpoesie in The Light neue, ungeahnte Höhen: „There is a light that keeps on shining / From a far-off place by the town / Where they sit up all night writing / About little things in life / We can go there“ und er nimmt uns an die Hand, führt uns an diesen Ort, an der Peripherie der Stadt. Ein-zwei Gitarre, ein Cello und Line Feldings großartige Backgroundstimme sind genug, um diesen Ort zu visualisieren. Die Drums setzten erst spät ein, zusammen mit der Trauer, die mit diesem Ort verbunden wird: „And the river of worries runs from there / Leaving us behind“.

Die Nummer Catch the Straw ist seit Monaten von Codys Livekonzerten und ihrem Myspace bekannt und hat bereits jetzt einen Klassikerstatus inne: „Take a step into the wildlife / That is what you´ve hungered for / You had a bad year / Take the step / And I will even love you more / That is what I´ve hungered for / We can make days change”. Man summt mit, nickt im Tackt, lässt das Jahr Revue passieren zu Kasper Kaaes varmer Stimme. „I bought a Box / And in it was a rock guitar / To write you songs not heard before / They turned out the same”. Gottseidank hast du den Kasten gekauft, Kasper! Obwohl, doch vielleicht auch eben weil, sich die Lieder anhören, als hätte man sie schon zig-mal gehört.

Kleine Enttäuschung

Aber, ach! Irgendwie wirkt die ganze Platte zu souverän. Als wären Cody schon seid 20 Jahren gemeinsam mit R.E.M. und U2 auf Tour und als hätten sie etwas von ihrem Charme unterwegs liegengelassen. „Songs“ wird ganz sicher ein Hit. Die kleine Handvoll alternativer Radiostationen in Dänemark werden Catch the Straw rauf und runter spielen, Simon Lund von Politiken und die Kritiker von Gaffa und Soundvenue werden sie lieben. Ihre Konzerte werden mit der Zeit ungeahntes Publikum anziehen.

Das ganze erinnert doch sehr an die letztjährige Platte des Choir of Young Believers, der, nach einer fantastischen ersten EP, auch den sicheren Weg wählte. Etwas mehr Verspieltheit und eine klein wenig mehr Abenteuerlust hätte „Songs“ gut zu Gesicht gestanden.

Releaseparty am 12.9.2009, Huset i Magstræde

Cody auf Myspace

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